US-Filme in Deutschland

 

ereits Mitte der 1920er Jahre strebte die US-Filmwirtschaft in den deutschen Filmmarkt. 1925 standen 216 US-Exporten 212 deutsche Produktionen entgegen. Das hatte seine Gründe. Nach dem ersten Weltkrieg konnten inflationsbedingt Deutschland und Österreich günstig herstellen und auch ins Ausland verkaufen. Mit dem Ende den Inflation war dies erledigt und diese beiden Länder wurden (wie vorher auch Großbritannien oder Frankreich) zum Ziel der US-Filmindustrie. Zum Schutz der einheimischen Filmindustrie führten die europäischen Länder Filmkontingente ein. Als der größte europäische Filmkonzern, die UFA, 1925 in eine bedrohliche Schieflage geriet, kam die Rettung dann- aus den USA. MGM und Paramount gewährten der UFA einen Kredit über rd. 4 Millionen US-Dollar. Dafür verpflichtete sich die UFA einen gemeinsamen Verleih mit MGM und Paramount, die sogenannte Parufamet zu gründen. Es zeigte sich bald, das dies für die UFA ein Knebelvertrag war. Die US-Konzerne konnten nun ihre Filme über diesen (formal) deutschen Verleih in Deutschland zeigen, während die UFA nur wenige ihrer Filme in den USA zeigen konnten. Die UFA war durch kaufmännische Fehler und vor allem durch überteuerte Prestigeprojekte in die finanzielle Schieflage geraten. Filme, die heute Filmfreunde in Entzücken versetzen, waren  damals aus finanzieller Sicht eine Katastrophe. „Der letzte Mann“, „Tartüff“, „Faust“ oder „Metropolis“ waren aus künstlerischer Sicht hervorragend- fielen aber beim Kinopublikum durch. 1928 gelang es der UFA und ihrem neuen Inhaber Hugenberg, den Vertrag mit Paramount und MGM erträglicher zu gestalten.

Schon Ende der 1920er Jahre gab es wieder mehr deutsche als US-Produktionen in Deutschland. Drastisch ging die Zahl der US-Importe ab 1930 zurück. Zum einen ging die Zahl der Filmproduktionen bedingt durch die Einführung des Tonfilms und Probleme in der Weltwirtschaft allgemein zurück. Zum Anderen griffen die Kontingentbestimmungen immer mehr. 1930 gab es 146 deutsche Produktionen und 79 US-Filme in Deutschland. Mit dem Machtantritt der Nazis änderte sich die Situation nochmals. Zwar kamen 1933 noch 64 US-Filme nach Deutschland, aber 1934 waren es nur noch 41- und es wurden auch nicht mehr! Es gab für die ausländischen Produzenten gleich mehrere Hürden in Deutschland: zunächst war da die Kontingentstelle. War diese Hürde geschafft, folgte die Filmprüfstelle, evtl. dann noch die Oberprüfstelle. Die meisten Verbote wurden gleich von der Kontingentstelle ausgesprochen. Die genaue Zahl der verbotenen US-Filme zwischen 1933 und 1940 lässt sich heute nicht mehr genau sagen, es dürfte ca. 200 gewesen sein.

Dabei hatten gerade die US-Filme gleich zwei große Fans in NS-Deutschland: und zwar den „Führer und Reichskanzler“ Adolf Hitler persönlich und seinen Propagandaminister Joseph Goebbels. Hitler wurden jahrelang die neuesten US-Produktionen exklusiv vorgezeigt. Auch jene Filme, die das gemeine deutsche Volk niemals sehen konnte.  Einen Einfluss darauf, ob ein Film zugelassen wurde oder nicht, hatte das aber nicht unbedingt. So war der „Führer“ über die Laurel & Hardy Komödie „Swiss Miss“ (Nachkriegstitel: „Dick und Doof als Salontiroler“) durchaus erfreut; dennoch wurde der Film von der Kontingentstelle 1938 verboten.

Die Gründe, warum ein Film in Deutschland verboten wurde, waren mannigfaltig. Zum einen natürlich das Kontingent an sich. Dann natürlich das Mitwirken jüdischer Filmkünstler oder Emigranten, die Deutschland verlassen hatten. Dann gab es Filme, gegen die es „sittliche“ Vorbehalte gab. Und natürlich Filme wie „Im Westen nichts Neues“, der als Antikriegsfilm schon 1930 für Skandale sorgte. Eine einheitliche (Verbots-) Linie gab es wiederum auch nicht. So lief eine der erfolgreichsten US-Produktionen „Broadway-Melodie“ 1936 in Deutschland, obwohl der Hauptdarsteller, Jack Benny, Jude war. Ende 1939 lief einer der letzten US-Erfolge, das Musical „Südseenächte/ Honolulu“ in Deutschland an. Die wichtigsten Nebenrollen -neben den Hauptdarstellern Robert Young und Eleanor Powell- spielten der jüdische Schauspieler George Burns und seine Ehefrau Gracie Allen (eine Katholikin!). Beider Namen wurden im Vorspann schlichtweg nicht erwähnt. Aber der Film durfte in Nazideutschland laufen!

Im Westen nichts neues- Werbung.jpg

„Im Westen nichts Neues“ 1930 gedreht, wurde Zeit seiner Existenz immer wieder das Opfer von Zensoren.

Welche US-Filmkonzerne waren in Deutschland? Zunächst war da einmal da Loew’s Inc., besser bekannt als MGM. MGM war 1933 die zweitgrößte Verleihgesellschaft in Deutschland (nach der UFA). Im März 1933 kündigte MGM an, ein eigenes Synchronstudio zu errichten und sich außerdem an der Produktion deutscher Filme zu beteiligen. Doch zu beidem kam es nicht: im Mai 1933 wurde der Bau des Synchronstudios abgesagt, im September 1933 distanzierte man sich vom Einstieg in das deutsche Produktionsgeschäft. Allerdings unterhielt die MGM ab 1933 eine eigene Synchronabteilung (vorher wurden die MGM-Filme in Hollywood deutsch synchronisiert), die ihre Filme in angemieteten Studios wie dem JOFA-Atelier in Berlin-Johannisthal synchronisieren ließ. Geleitet wurde die MGM-Filiale in Berlin von dem Niederländer Fritz Strengholt. Er soll mit einer deutschen Jüdin verheiratet gewesen sein, von der er sich 1937 auf Druck der Nazis scheiden ließ. Angeblich landete die von ihm verlassene Ehefrau später in einem Konzentrationslager.

Genauso viele Filme wie MGM (83) verlieh die Paramount in NS-Deutschland. Auch die Paramount hatte eine eigene Synchronabteilung, auch sie mietete dafür Studios an. Daneben hatte die Paramount eigene Aufnahmeteams für ihre Wochenschau („Paramount News“) in Deutschland. Die „Paramount News“ lief allerdings nicht in Deutschland, sie kooperierte mit der UFA-Tonwoche- bis 1940.

Die Fox Film Corporation, ab 1935 20th Century Fox, hieß in Deutschland Deutsche Fox Film AG. Die Fox brachte von 1933 bis 1940 50 Filme in die deutschen Kinos. Auch sie hatte die Wochenschau als zweites Standbein in Deutschland. Sie zeigte die „Fox tönende Wochenschau“ in Deutschland, die sich vor allem durch regierungsfreundliche Berichterstattung auszeichnete. Aber auch das half nichts: 1939 ging die „Fox“ genau wie ihre deutschen Wettbewerber „Ufa-Tonwoche“, „Deulig-Tonwoche“ und „Tobis-Wochenschau“mit Kriegsbeginn in einer einheitlichen Wochenschau auf. Die deutschen Firmen behielten, aus rechtlichen Gründen, ihre Vorspannlogos allerdings noch einige Monate. Dann aber gab es endgültig nur noch „Die deutsche Wochenschau“.

Als erster US-Filmkonzern zogen sich die Warner Bros. aus Deutschland zurück. Warner hatte sich für ihre Filme an einem deutschen Verleiher, der „National-Film“ beteiligt, die die Filme in Deutschland in die Kinos brachte. Warner zog sich bereits im Sommer 1933 zurück; angeblich wg. der antisemitischen Haltung der deutschen Reichsregierung. Jahre später sagte allerdings Harry Warner, dass der Rückzug vor allem finanzielle Gründe hatte.

Die United Artists waren der zweite US-Konzern, der kapitulierte. Ihr war bereits 1932 wg. Verbreitung vermeintlicher „Hetzfilme“ die Verleihkonzession entzogen worden. 1934 versuchte United Artists in Zusammenarbeits mit der Bayerischen Film AG ein Comeback in Deutschland. Als aber im selben Jahr von sechs Filmen gleich vier verboten wurden, verging die Lust aufs deutsche Filmgeschäft schnell wieder. Der letzte UA-Film in Deutschland war dann „Der Graf von Monte Christo“, der 1935 in die deutschen Kinos gelangte.

Ein Sonderfall war die Deutsche Universal Film AG, seit 1928 von Paul Kohner geleitet. Sie brachte nicht nur ihre US-Filme in Deutschland heraus, sondern produzierte auch eigene Filme wie den von Hitler hochgeschätzten Luis-Trenker-Film „Der Rebell“ (1932) oder „S.O.S. Eisberg“ aus 1933. Sie produzierte aber auch Filme wie Fritz Langs „Das Testament des Dr. Mabuse“, der keine Aufführungserlaubnis bekam.  Die Universal war durch ihren Besitzer, den deutschen Auswanderer Carl Laemmle, der jüdischen Glaubens war, den Machthabern ein Dorn im Auge. 1934 begann die Deutsche Universal mit ihrer Liquidierung.

Die Columbia und die RKO hatten keine Niederlassungen in Deutschland. Sie ließen ihre Filme durch deutsche Verleiher vertreiben. Bis 1935 kamen Columbia bzw. RKO-Filme in die deutschen Kinos, darunter Erfolge wie „Die Fabel von King Kong“ (RKO, 1933) und „Es geschah in einer Nacht“ (Columbia 1935). Beide Firmen versuchten bis 1937 ihre Filme im Deutschen Reich aufzuführen, allerdings wurden sämtliche Anträge negativ beschieden.

Piraten in alaska
Fand Gnade bei den NS-Zensoren: „Piraten in Alaska“, 1938

Somit waren letztendlich nur MGM, Fox und Paramount in Deutschland vertreten. Trotz aller Verbote und Repressalien versprach der deutsche Markt noch immer einen guten Gewinn. Dieses war dann aber ab Sommer 1940 erledigt: zwischen Juli und September 1940 mussten die drei ihre Niederlassungen in Deutschland schließen.

Damit war ein wichtiges Kapitel der deutschen Filmgeschichte beendet. Erst ab 1946 kamen die deutschen Kinobesucher wieder in den Genuss amerikanischer Filme.

Die gute Erde

„Die gute Erde“, 1937, durfte nur in Österreich laufen. Die Synchronfassung wurde aber bei MGM in Berlin hergestellt.

Verbotene US-Filme 1933-1940 (Auswahl):

  • Anna Christie (MGM, 1940 verboten)
  •  Blockheads („Die Klotzköpfe“, MGM, 1938 verboten)
  •  Die blonde Venus (Paramount, 1933 verboten)
  •  The Bohemian Girl („Das Mädel aus dem Böhmerwald/ Dick und Doof adoptieren ein Kind“; MGM, 1935 verboten)
  •  Dr. Jekyll and Mr. Hyde (Paramount, 1933 verboten)
  •  The Garden of Allah („Der Garten Allahs“, Paramount, 1937 verboten)
  •  The General Died at Dawn („Der General starb im Morgengrauen“, Paramount, 1937 verboten)
  •  Forty-Second Street („Die 42. Straße“, Warner, 1933 verboten)
    Goldrausch (UA, 1935 verboten)
  •  The Good Earth („Die gute Erde“, MGM, 1937 verboten)
  •  The Great Ziegfeld („Der große Ziegfeld“, MGM, 1936 verboten)
  •  Hollywood Party (MGM, 1934 verboten)
  •  Die Dschungelprinzessin (Paramount, 1937 verboten- 1938 zugelassen)
  •  Die Fabel von King Kong (RKO, 1933 verboten- dann erlaubt)
  •  The Last of Mrs. Cheney („Eine Dame der Gesellschaft“, MGM 1937 verboten)
  •  Marie Antoinette (MGM, 1938 verboten)
  •  Mr. Deeds Goes to Town („Mr. Deeds geht in die Stadt“, Columbia, 1937 verboten)
  •  The Prisoner of Shark Island („Der Gefangene der Haifischinsel“, Fox, 1936 verboten)
  •  Männer um eine Frau („The Prizefighter and the Lady“, MGM, OF 1934 erlaubt, Synchronfassung 1934 verboten)
  •  Ninotchka („Ninotschka“, MGM, 1939 verboten)
  •  Rose Marie (MGM, 1936 verboten- 1939 zugelassen)
  •  Sequoia- Herrin der Wildnis (MGM, 1935 verboten – 1936 zugelassen)
  •  Swiss Miss („Dick und Doof als Salontiroler“; MGM, 1938 verboten)
  •  Tarzan and his Mate („Tarzans Vergeltung“, 1934 verboten- lief in Österreich in OF als „Tarzan und sein Kamerad“)
  •  Tarzan, der Herr der Wildnis (MGM, 1934 verboten)
  •  Grenzpolizei Texas (Paramount, 1936 verboten – 1937 zugelassen)
  •  The Thin Man („Mordfall Dünner Mann“, MGM, 1935 verboten)
  •  Viva Villa! (später auch: „Schrei der Gehetzten“, MGM 1935 verboten – 1936 zugelassen)

Einige dieser Filme liefen (auch in Synchronfassung!) nur in Österreich.

US-Filme, die zwischen 1933 und 1937 mit Prädikaten versehen wurden:

1933 – Liebesleid (künstlerisch wertvoll)
1934 – Königin Christina (künstlerisch wertvoll)
1934 – Nachtflug (volksbildend)
1934 – Die große Zarin (künstlerisch wertvoll)
1935 – Bengali (volksbildend)
1935 – Helden von heute (künstlerisch wertvoll)
1935 – Anna Karenina (künstlerisch wertvoll)
1935 – Der bunte Schleier (künstlerisch wertvoll)
1935 – Die Tempeltänzerin (volksbildend)
1936 – Der letzte Alarm (künstlerisch wertvoll)
1937 – Die Kameliendame (künstlerisch wertvoll)
1937 – Manuel (künstlerisch wertvoll)
1937 – Schiffbruch der Seelen (künstlerisch wertvoll)

Unter diesen Filmen waren alleine vier mit Greta Garbo in der Hauptrolle; sie war eine erklärte Favoritin von Hitler und Goebbels- bevor auch sie Ende der 1930er Jahre in Ungnade fiel („Filmt immer mit jüdischen Regisseuren…“).

 

 

 

 

 

Drei Frauen um Verdi (I 1938 – DF 1938)

3 Frauen um Verdi

Drei Frauen um Verdi
Originaltitel: Giuseppe Verdi
Produktion: Grandi Film, Italien, 1938
Regie: Carmine Gallone
Deutsche Fassung: Lüdtke & Dr. Rohnstein, Berlin
Dialogregie: Kurt Werther
Dialogbuch: Wolfgang Böttcher
Synchronaufnahmen fertiggestellt im Juli 1938, Tobis-Atelier, Berlin-Johannisthal
Tonsystem: RCA-Photophone (I) – Tobis/Klangfilm (D)
Deutscher Verleih: DiFu – Deutsch-Italienische Film-Union
Deutsche Erstaufführung:  September 1938

Rolle- DarstellerDeutsche Stimme:
Giuseppe Verdi              – Fosco Giachetti             Siegfried Schürenberg
Giuseppina Strepponi – Gaby Morlay                  Charlotte Berlow
Margherita Barezzi       – Germana Paolieri         Gerda Maurus
Antonio Barezzi             – Camillo Pilotto            Alfred Haase
Teresina Stolz                 – Maria Cebotari             Maria Cebotari
Marelli                               – Febo Mari                     Werner Schott
Tenor Mirale                    – Benjamino Gigli          – (Gesang im O-Ton)
weitere Synchronsprecher: Walter Werner, Erich Dunskus

Inhalt:

Filmbiographie des Komponisten Giuseppe Verdi (1813-1901): als junger Komponist heiratet er die junge Margherita. Nachdem er einen ersten Erfolg als Komponist feiern kann, stirbt seine junge Frau. Seine Begleiterin wird nun Giuseppina Strepponi. Die beiden leben einige Jahre in „wilder Ehe“ zusammen- in der damaligen Zeit ein Skandal. Dann heiraten die beiden doch. Durch die junge Sängerin Teresina Stolz wird die Ehe aber dann auf eine harte Probe gestellt.

Anmerkungen:

Fosco Giachetti gehörte zu den beliebtesten Filmschauspielern Italiens der 1930er und 40er Jahre. Er wurde oft für Offiziersrollen eingesetzt.

Die rumänische Sängerin Maria Cebotari (eigentlich Maria Cebotaru, 1910-1949) gehörte zu den erfolgreichsten Sopranistinnen der 1930er und 40er Jahre. Sie kam 1929 nach Berlin und erlernte schnell die deutsche Sprache. Maria Cebotari, die sich in „Drei Frauen um Verdi“ selbst synchronisierte, heiratete im gleichen Jahr den Schauspieler Gustav Diessl. Diessl starb bereits 1948, nur 49 Jahre alt. Maria Cebotari überlebte ihren Mann nur wenig mehr als ein Jahr. Sie erlag 1949 einem Leberkrebsleiden.

Charlotte Berlow (1898-?) war die erste Ehefrau von Hans Söhnker. Sie sprach Gaby Morlay auch in „Der König“ und „Eifersucht“.

Gerda Maurus (eigentlich Gertrud Maria Pfiel; 1903-1968) wurde von Fritz Lang für seinen Stummfilm „Spione“ (1928) entdeckt. Maurus, die eine Zeitlang Lebenspartnerin von Lang war, spielte auch in seinem nächsten Film, „Die Frau im Mond“ (1929) eine Hauptrolle. Sie schaffte auch den Durchbruch im Tonfilm, spielte in vielen Filmen der 1930er Jahre. 1937 heiratete sie den Regisseur Robert A. Stemmle.

 

Ein Mann wird entführt (I 1938 – DF 1939)

Ein Mann wird entführt

Ein Mann wird entführt
Originaltitel: Hanno rapito un uomo
Produktion: Juventus Film der C.I.N.F. , Italien, 1938
Regie: Gennaro Righetti
Deutsche Fassung: Lüdtke & Dr. Rohnstein, Berlin
Dialogregie: Dr. Konrad P. Rohnstein
Dialogbuch: Dr. Konrad P. Rohnstein
Tonsystem: RCA-Photophone (I) – Tobis/Klangfilm (D)
Deutscher Verleih: DiFu – Deutsch-Italienische Film-Union
Deutsche Erstaufführung:  01. Februar 1939, Berlin, Marmorhaus (OmU)

Rolle- DarstellerDeutsche Stimme:
Großfürstin Sonja             – Caterina Boratto      Edyth Edwards
Roberto Severi                   – Vittorio de Sica         Harry Giese
Flora                                     – Maria Denis                Ursula Grabley
Anastasia                            – Evelina Paoli              Edith Karin
Kyrill Petrowsky               – Romolo Costa              Rudolf Schündler
John Readell                      – John Atkinson            Wolfgang Staudte

Inhalt:

Auf dem Nachhauseweg wird der Filmschauspieler Roberto Severi von einem eleganten Auto verfolgt und von einer schönen jungen Dame aufgefordert, einzusteigen. Doch statt nach Hause, wird Roberto zu einer luxuriösen Villa gebracht. Beim Diner entpuppt sich die junge Dame als russische Großfürstin Sonja Petrowsky. Sie verrät Roberto den Grund der „Entführung“: ihr Onkel, der Großfürst Sascha, hat ihr befohlen, ihren Vetter Kyrill zu heiraten. Um der Ehe zu entgehen, hat sie vorgegeben bereits verheiratet zu sein. Nun hat der Großfürst Tante Anastasia und Kyrill zu Sonja geschickt, um sich den Gatten einmal anzusehen. Roberto, der Gefallen an der hübschen Sonja gefunden hat, willigt ein. Am nächsten Tag kommen Tante Anastasia und Vetter Kyrill an- und die turbulenten Geschehnisse nehmen ihren Lauf…

Anmerkungen:

Vittorio de Sica (1901-1974) drehte seine ersten Filme schon zu Stummfilmzeiten. In den 1930er Jahren wurde er zu einem Star des italienischen Kinos. 1939 spielte er in „Ins blaue Leben“ neben Lilian Harvey. Der Film wurde in zwei Versionen, italienisch und deutsch, gedreht, wobei de Sica seine deutschen Texte phonetisch lernte. In „Ein Mann wird entführt“ wurde er erstmals von Harry Giese synchronisiert. In seinem nächsten Film, der nach Deutschland gelangte, „Alarm im Warenhaus“ (1940) wurde er kurioserweise von Wolfgang Staudte gesprochen (der in „Ein Mann wird entführt“ eine Nebenrolle sprach), während Giese in einer Nebenrolle zu hören war. In den nächsten Filmen („Frau am Abgrund“, „Dunkelrote Rosen“ und „Verliebte Unschuld“) hatte er dann wieder die Stimme von Harry Giese. Vittorio de Sica setzte seine Filmkarriere nach dem Krieg erfolgreich fort, wobei er dann meist von Curt Ackermann kongenial synchronisiert wurde.

Harry Giese

giese2_harry GieseHarry2

(02.03.1903, Magdeburg – 20.01.1991, Berlin-Zehlendorf)

Harry Gieses Vater ist der Ingenieur Otto Giese, seine Mutter Margarete Giese, geb. Jaenecke. Nach Abschluß des Real-Gymnasiums beginnt Harry Giese eine Ausbildung als Schauspieler. Über die Stationen Magdeburg (1923-1925), Meiningen (1924/25), Aachen (1926-1928) und [Hamburg-] Altona (1928-1933) kommt Giese 1933 nach Berlin. Hier spielt er am Theater am Nollendorf-Platz und am Komödienhaus. Sein Rollenfach ist das des jugendlichen Liebhabers; als er später dafür zu alt wird, zieht er sich von der Bühne zurück. Ein Wechsel in andere Rollenfächer liegt ihm nicht. Nach 1945 spielt er nur noch kurzzeitig Theater; auf einer Provinzbühne in einem unbedeutendem Stück. Ab 1933 ist er auch als Synchronschauspieler vielbeschäftigt. Giese arbeitet u.a. für die Deutsche Fox Film, die Tobis-Melo Film, MGM, Paramount oder für Lüdtke, Dr. Rohnstein & Co. Er ist die deutsche Stimme von John Boles („Der kleine Rebell“; „Die Botschaft an Garcia“), Tyrone Power („Chicago“; „Der Liebesreporter“) Douglas Fairbanks jr. („Mimi“), Franchot Tone, Robert Montgomery oder auch John Loder. Seine Wochenschausprechertätigkeit beginnt Giese bei der Tobis-Wochenschau. Nach Kriegsbeginn werden die noch bestehenden Wochenschauen UFA, DEULIG und Tobis inhaltlich vereinheitlicht, erscheinen bis Sommer 1940 allerdings noch unter ihrem jeweiligen Namen, danach als „Die Deutsche Wochenschau“. Sprecher wird Harry Giese. Durch diese Tätigkeit dürfte seine Stimme vielen bekannt sein. Giese wird aber auch für andere Propagandafilme wie LAH im Einsatz (=Leibstandarte SS Adolf Hitler; 1941) eingesetzt. Auch im Dokumentarfilm Sieg im Westen ist er zu hören- allerdings nur in der Einleitung. Ein besonders übles Machwerk wird vom „Reichsfilmintendanten“ Fritz Hippler persönlich hergestellt: Der ewige Jude (1940) – „…der niederträchtigste der antisemitischen Nazifilme“ (Courtade/Cadars: „Geschichte des Films im dritten Reich“). Auch hier hört man Gieses Stimme. 1943 erkrankt Harry Giese an Gelbsucht; er wird vorübergehend von seinem Kollegen Walter Tappe vertreten. Anfang 1944, Giese ist noch nicht vollständig genesen, übernimmt er auf Anordnung von Propagandaminister Goebbels wieder seine Sprechertätigkeit für die Deutsche Wochenschau. Die Nazi-Wochenschau wird mit der Nr. 755 im März 1945 eingestellt. Da Harry Giese kein NSDAP-Parteimitglied war, bekommt er nach dem Krieg kein Berufsverbot. Er gehört Ende 1946 zu den Sprechern einer der ersten, in den Berliner Westsektoren (Filmstudios Tempelhof), hergestellten Synchronisationen: „Mädchen im Rampenlicht/ Ziegfield Girl“. Hier spricht er Tony Martin (den er bereits 1937 in „Mississippi-Melodie“ sprach). In „Die Wendeltreppe“, 1948 synchronisiert, spricht er George Brent und in „Ich tanz mich in Dein Herz hinein“, 1950 synchronisiert, spricht er Fred Astaire- wobei er sehr gute Arbeit abliefert. Bei der RKO-Synchronabteilung in Berlin (West) ist Giese vielbeschäftigt- als Sprecher aber auch als Dialogbuchautor und Dialogregisseur. Sogar für die ostdeutsche DEFA arbeitet Giese: zusammen mit seinem Sprecherkollegen bei der Deutschen Wochenschau, Walter Tappe, ist er 1949 für die deutsche Fassung des sowjetischen Propagandastreifens Begegnung an der Elbe zuständig. Doch schon bald bekommt Giese keine Synchronhauptrollen mehr angeboten; er muß sich mit kleineren Sprecherrollen abfinden. Als 1950 in Hamburg die Neue Deutsche Wochenschau gestartet wird, bewirbt sich Giese als Sprecher, wird jedoch nicht genommen. Neben der Synchronisation arbeitet Giese als Sprecher in Werbefilmen und in Dokumentarfilmen. So ist er u.a. in Der goldene Garten (von Hans Domnick, 1953) und Wir sahen mit unseren Augen: Rußland heute (von Gerd Nickstadt, 1957) zu hören. Gieses Sprechertätigkeit für den Trailer zu „Sein oder Nichtsein“ (die dt. Fassung wurde 1960 hergestellt) dürfte bei vielen Betroffenheit hervorgerufen haben- handelt doch der Film von einer Schauspielertruppe im von Nazis besetzten Polen, die den polnischen Widerstand unterstützen. Da die Sprechereinsätze für Harry Giese mit den Jahren immer weniger werden, trägt vor allem auch seine zweite Ehefrau Gertrud als Studienrätin zum Einkommen der Familie bei. Der passionierte Orchideenliebhaber Harry Giese ist von 1950 bis 1962 Gruppenleiter der D.O.G. (Deutsche Orchideen Gesellschaft) in West-Berlin. Als Orchideenexperte hat er im neuen Medium Fernsehen in den 1950er Jahren einige TV-Auftritte. In den 1960er Jahren kauft er sich ein Grundstück in Tirol, bekommt jedoch keine Baugenehmigung. In den letzten Jahren seines Lebens zieht er sich mehr und mehr aus der Öffentlichkeit zurück. Harry Giese ist in erster Ehe mit Gertrud Froschauer, seit 1948 in zweiter Ehe mit der Oberstudienrätin Gertrud Linkowski verheiratet .

Synchronrollen bis 1945 (Auswahl):
(angegeben sind der deutsche Verleihtitel, der synchronisierte Schauspieler, Synchronfirma und Synchronjahr)

  • Die Schlacht (John Loder, ?, 1934)
  •  Nachtflug (William Gargan, MGM, 1934)
  •  Bengali (Franchot Tone, Paramount, 1935)
  •  Natascha (Pierre Richard-Willm, Lüdtke & Rohnstein, 1935)
  •  Helden von heute (Russell Hardie, MGM, 1935)
  •  Lockenköpfchen (John Boles, Tobis-Melofilm/ Dt. Fox, 1935)
  •  Mimi (Douglas Fairbanks jr., Lüdtke & Rohnstein, 1936)
  •  Der kleinste Rebell (John Boles, Tobis-Melofilm/ Dt. Fox, 1936)
  •  Die Botschaft an Garcia (John Boles, Tobis-Melofilm/ Dt. Fox, 1936)
  •  Frauen-Launen (Robert Young, Paramount, 1937)
  •  Wolgaschiffer (Pierre Blanchar, Tobis-Melofilm, 1937)
  •  Der springende Punkt (Jack Haley, Dt. Fox, 1937)
  •  Sonnenscheinchen (Robert Young, Dt. Fox, 1937)
  •  Der Mord im Nebel (Ray Milland, Paramount, 1937)
  •  Pariser Bekanntschaft (Robert Young, Paramount, 1937)
  •  Gehn wir bummeln (Dick Powell, Dt. Fox, 1937)
  •  Der Liebesreporter (Tyrone Power, Dt. Fox, 1937)
  •  Café Metropol (Tyrone Power, Dt. Fox, 1938)
  •  Scotland Yard greift ein (John Howard, Paramount, 1938)
  •  Chicago (Tyrone Power, Dt. Fox, 1938)
  •  Scotland Yard auf falscher Spur (John Howard, Paramount, 1938)
  •  Shirley auf Welle 303 (Jack Haley, Dt. Fox, 1938)
  •  Josette (Robert Young, Dt. Fox, 1939)
  •  Suez (Tyrone Power, Dt. Fox, 1939)
  •  Ein Mann wird entführt (Vittorio de Sica, Lüdtke & Rohnstein, 1939)
  •  Die goldene Peitsche (Richard Greene, Dt. Fox, 1939)
  •  Scotland Yard erlässt Haftbefehl (John Howard, Paramount, 1939)
  •  Hinter Haremsgittern (Ricardo Merino, Hispano, 1940)
  •  Liebe, Männer und Harpunen (Allan Bohlin, Atlas/Unfried, 1941)
  •  Reifende Mädchen (Andrea Checchi, Lüdtke & Rohnstein, 1942)
  •  Die maskierte Geliebte (Gustav Nezval, Lüdtke & Rohnstein, 1942)
  •  Nachtfalter (Gustav Nezval, Lüdtke & Rohnstein, 1942)
  •  Scheinwerfer im Nebel (Antonio Centa, Lüdtke & Rohnstein, 1942)
  •  Verschwörung gegen Marco (Roberto Villa, Lüdtke & Rohnstein, 1942)
  •  Frau am Abgrund (Vittorio de Sica, Lüdtke & Rohnstein, 1942)
  •  Mitternachtszauber (Oldrich Novy, Lüdtke & Rohnstein, 1943)
  •  Unsichtbare Ketten (Andrea Checci, Lüdtke & Rohnstein, 1943)
  •  Verschlossene Lippen (Andrea Checci, Lüdtke & Rohnstein, 1943)
  •  Dunkelrote Rosen (Vittorio de Sica, Emil Unfried, 1943)
  •  Verliebte Unschuld (Vittorio de Sica, Lüdtke & Rohnstein, 1943)
  •  Karawane (Rossano Brazzi, Lüdtke & Rohnstein, 1943)
  •  Mein Freund, der Präsident (Antal Pager, Deutsche Synchron Film, 1944)

Harry Giese als deutsche Stimme von Fred Astaire (RKO Synchron, 1950), Edward Everett Horten wird gesprochen von Erich Fiedler

Wir Zwei (SWE 1939 – DF 1941)

Wir zwei

Wir Zwei
Originaltitel: Vi två
Produktion: AB – Terraproduktion, Stockholm (Schweden), 1939
Regie: Schamyl Bauman
Deutsche Fassung: Atlas Film, Emil Unfried, Berlin
Dialogregie: Bruno Hartwich
Dialogbuch: ?
Tonsystem:  Tobis/Klangfilm (D)
Deutscher Verleih: Forum – Rheinische – Cürten – Südost (Verleihverbund)
Deutsche Erstaufführung:  1941

Rolle- DarstellerDeutsche Stimme:

Sture Ahrengren           – Sture Lagerwall       Oskar Schättiger
Kristina Ahrengren      – Signe Hasso              Anneliese Uhlig
Baltasar Ekberg             – Stig Järrel                  Harry Giese
Helena Ekberg               – Ilse-Nore Tromm   Hilde Seipp
Prof. Hagstam               – Gösta Cederlund     Walter Werner
Dr. Frodde                       – Carl Barcklind         Otto Henning

Inhalt:

Schwedische Ehekomödie: der Architekt Sture Ahrengren verlässt sein Architekturbüro um einen lukrativen Job mit seinem alten Freund, dem Ingenieur Ekberg, anzufangen. Doch dann verliebt sich Sture in Ekbergs Frau Helena…

Anmerkungen:

Die Schwedin Signe Hasso (1915-2002) war von 1933 bis 1941 mit dem deutschen Regisseur Harry Hasso verheiratet. 1938 drehte sie in Wien die Komödie „Geld fällt vom Himmel“. 1940 ging sie in die USA, wo sie 1943 „Ein himmlischer Sünder“ (Regie: Ernst Lubitsch), 1944 „Das siebte Kreuz“ (Regie: Fred Zinnemann) und 1950 „Hexenkessel“ (Regie: Richard Brooks) drehte. Danach geriet ihre Karriere ins Stocken; sie trat in schwedischen oder amerikanischen TV-Produktionen auf und spielte in New York Theater. Sie war auch als Dichterin und Schriftstellerin tätig.

Die deutsche Fassung wurde in Berlin hergestellt. Bei der Recherche bin ich als Synchronfirma sowohl auf die „Atlas-Film“ als auch auf Emil Unfried gestoßen. Möglicherweise handelt es sich um dieselbe Firma. Emil Unfried (21.4.1892 – 16.6.1949) trat früh der SPD bei, 1919 dann der KPD. Bis 1924 engagierte er sich stark in der KPD, wurde dann aber -er zählte zum rechten Flügel der Partei- in seiner Funktion abgelöst. Er kam dann zum Münzenberg-Konzern, wo er die Filmabteilung übernahm. Unfried war Mitbegründer der „Prometheus-Film“, der einzigen kommunistischen Filmproduktionsfirma der Weimarer Republik. 1933 gründete er eine eigene Filmfirma, die Forum-Film, wo er harmlose Unterhaltungsfilme wie „Der Etappenhase“ herstellte. Er hatte sich -wie seine Frau Lina Becker- ganz von der Politik zurückgezogen. Somit war er keinen Repressalien der Nazis ausgesetzt. Neben der Filmproduktion wurden bei Emil Unfried auch ausländische Filme synchronisiert. Nach Kriegsende wurde Emil Unfried wieder KPD-Mitglied. Aber er fiel bei den sowjetischen Machthabern bald in Ungnade: er kam ins „Spezial-Lager“ Sachsenhausen, wo er am 16. Juni 1949 verstarb.

Anneliese Uhlig (* 27. August 1918, Essen) zählte Ende der 1930er Jahre zum hoffnungsvollen Filmnachwuchs. Nach einer Auseinandersetzung mit Goebbels ging sie 1942 nach Italien, wo sie einige Filme drehte. 1944 musste sie nach Deutschland zurückkehren, wo sie in weiteren Filmen zu sehen war. Nach dem Krieg startete sie eine zweite Karriere als Reporterin; in Filmen trat sie nur noch gelegentlich auf. Sie lebt seit 1948 in den USA.

Karawane (I 1942 – DF 1943)

Karawane1942-2

Karawane
Originaltitel: Una signora dell’ovest
Produktion: Scalera Films, Italien, 1942
Regie: Carl Koch
Deutsche Fassung: Lüdtke & Dr. Rohnstein, Berlin
Dialogregie: Kurt Werther
Dialogbuch: Georg Rothkegel
Tonsystem: RCA-Photophone (I) – Tobis/Klangfilm (D)
Deutscher Verleih: DiFu – Deutsch-Italienische Film-Union
Deutsche Erstaufführung:  März 1943

Rolle- DarstellerDeutsche Stimme:

Carras                                 – Michel Simon                Walther Suessenguth
Arianna                              – Isa Pola                            Lu Säuberlich
Manuel                               – Rossano Brazzi              Harry Giese
Juanita                                – Valentina Cortese        Erika Goerner
Diego                                   – Renzo Merusi                Eduard Wesener
Palomo                                – Carlo Duse                     Christian Gollong
Miguel                                 – Nicola Bressan              Werner Scharf
Quebrada                            – Cesare Fantoni              Hanns Eggerth
Weiterer Synchronsprecher: Alfred Haase

Inhalt:

Arianna ist Schauspielerin einer Varietétruppe und mit ihrem Kollegen Diego unterwegs im Westen auf der Suche nach Engagements. Sie nehmen an einem Wagenzug teil, der vom reichen Rancher Manuel finanziert wird. Der Leiter des Trupps bringt sie zum Großgrundbesitzer Carras, der ihnen eine alte verlassene Mine überlässt. Carras verfolgt jedoch ganz andere Interessen; er tötet Diego und lenkt den Verdacht auf Manuel, außerdem umgarnt er Arianna, die, ohne von seinen Machenschaften zu ahnen, seiner Werbung nachgibt. Als sie nach Jahren von der Wahrheit erfährt, macht sie sich auf der Suche nach Manuel. Der hat in der Zwischenzeit geheiratet; Arianna wird ihr Leben in Einsamkeit weiterführen.

Anmerkungen:

Ein Western made in Italy- also ein Vorgänger der Italo-Western? Nicht ganz- obwohl Michel Simon -mit wildem Rauschebart- einen fiesen Großgrundbesitzer darstellt, der weder vor Mord noch vor Betrug zurückschreckt, ist der Film mehr ein Melodram- mit ein paar Actionsequenzen. Regisseur Carl Koch (1892-1963) war Deutscher; Ehemann der (Scherenschnitt-)Trickfilmerin Lotte Reiniger („Die Abenteuer des Prinzen Achmed“, 1926). Koch fungierte bei diesem Film als Kameramann.  Nach dem Machtantritt der Nazis gingen Reiniger und Koch nach Frankreich, England und dann nach Italien, wo Koch zwei Filme als Regisseur drehte. Von 1943 bis zum Kriegsende lebte das Ehepaar dann in Berlin. Nach dem Krieg gingen die beiden nach London.
Die deutsche Fassung wurde -wie so viele italienische Filme jener Jahre- bei Lüdtke und Rohnstein in Berlin hergestellt.

Ruth Hellberg

hellberg_2

(geborene Ruth Elisabeth Gribbohm) 02. November 1906, Berlin – 26.April 2001, Feldafing

Ruth Hellberg war die (uneheliche) Tochter des Schauspielers und Theaterintendanten Fritz Holl und der Schauspielerin und Theaterhochschullehrerin Margit Gribbohm, die sich mit Künstlernamen Margit Hellberg nannte. Ruth Hellberg gab 1923 ihr Theaterdebüt am Landestheater Meiningen. Es folgten Theaterstationen in Hamburg, München, Königsberg, Leipzig, Wien sowie 1938-45 das Berliner Staatstheater. 1933 gab sie ihr Filmdebüt in „Was wissen denn die Männer“. Ihr größter Filmerfolg wurde 1938 „Yvette“. Es folgen danach noch Auftritte u.a. in „Heimat“ (1938, mit Heinrich George, Zarah Leander), „Der Postmeister“ (1940, mit Heinrich George), „Bismarck“ (1940, mit Paul Hartmann. Viele ihrer Filme wurden von Wolfgang Liebeneiner inszeniert, mit dem sie von 1933 bis 1943 verheiratet war. In erster Ehe war sie mit dem Verleger Fritz Landshoff verheiratet.

Schon seit Mitte der 1930er Jahre war Ruth Hellberg auch in der Synchronisation tätig. Auch nach dem Krieg widmete sie sich ausführlich dieser Tätigkeit. Zu ihren „Kundinnen“ gehörten u.a. Vivien Leigh, Myrna Loy, Helen Hayes oder Jeanne Moreau.

Nach die Krieg war Ruth Hellberg vor allem auf der Theaterbühne aktiv. Sie spielte u.a. in Stuttgart, Wiesbaden und Hamburg. Im Fernsehen war sie nur selten zu sehen, einen letzten Kinoauftritt hatte sie 1991.

Synchronrollen bis 1945 (Auswahl):
(angegeben sind der deutsche Verleihtitel, der synchronisierte Schauspieler, Synchronfirma und Synchronjahr)

  • David Copperfield (Maureen O’Sullivan, Tobis-Melofilm, 1935)
  • Anna Karenina (Maureen O’Sullivan, MGM, 1936)
  • Der Rächer (Margo, MGM 1937)
  • Kleinstadtmädel (Nebenrolle, MGM 1937)
  • Lustige Sünder (Nebenrolle, MGM 1937)
  • Maienzeit (Lynne Carver, MGM 1937)
  • Skandal auf der Rennbahn (Maureen O’Sullivan, MGM 1937 – in D verboten)
  •  Der Lausbub aus Amerika (Maureen O’Sullivan, MGM, 1938)
  • Der Werkpilot (Myrna Loy, MGM, 1938)
  •  Alkazar (Maria Denis, Lüdtke & Rohnstein, 1941)
  • Verlassen (Maria Denis, Lüdtke & Rohnstein, 1941)
  •  Die Liebeslüge (Alida Valli, Lüdtke & Rohnstein, 1942)
  •  Reifende Mädchen (Alida Valli, Lüdtke & Rohnstein, 1942)
  •  Mädchen in Not (Alida Valli, Lüdtke & Rohnstein, 1942)
  • Die heimliche Geliebte (??, Lüdtke & Rohnstein, 1942)*
  • 9 Uhr Chemiestunde (??, Lüdtke & Rohnstein, 1942)*
  •  Unsichtbare Ketten (Alida Valli, Lüdtke & Rohnstein, 1943)
  •  Rigoletto (Maria Mercader, Lüdtke & Rohnstein, 1943)

*Zu diesen Filmen waren keine weiteren Angaben zu ermitteln (Herkunft, Schauspieler…)


Heinrich George, Zarah Leander und Ruth Hellberg in „Heimat“ (1938)

Tarantella (USA 1937-DF 1938)

Tarantella 2

Tarantella
Originaltitel: The Firefly
Produktion: MGM, USA, 1937
Regie: Robert Z. Leonard
Deutsche Fassung: MGM Synchronabteilung, Berlin
Dialogregie: Kurt Werther
Dialogbuch: Hermann Gressieker
Tonschnitt: Dr. Arthur Kamps
Tonmeister: Oscar Haarbrandt
Tonsystem: Western Electric (USA) – Tobis/Klangfilm (D)
Deutscher Verleih: MGM, Berlin
Deutsche Erstaufführung: 21.07.1938, Berlin (Capitol am Zoo)

Rolle- DarstellerDeutsche Stimme:

Nina Maria                       – Jeanette MacDonald       Hanna Waag
Don Diego                        – Allan Jones                        Erich Fiedler
Major de Rouchemont – Warren William               Fritz Odemar
Marquis de Melito         – Douglass Dumbrille        Siegfried Schürenberg
General Savary               – Henry Daniell                    Otto Braml
König Ferdinand            – Tom Rutherford               Wilhelm Borchert
Gastwirt                            – Billy Gilbert                       Hans Stiebner
Geheimdienstchef         – George Zucco                    C.W. Burg
Lola                                     – Belle Mitchell                   Gertrud Spalke
Duval                                  – Corbet Morris                   Wilfried Seyferth
Wellington                       – Matthew Boulton             Ernst Legal
Taubenhändler               – Maurice Black                     Erich Ponto
weiterer Synchronsprecher: Walter Bluhm

Inhalt:

1808. Nina Maria, genannt „Firefly“, ist Spionin im Dienste der Engländer. Ihr Geliebter, Don Diego, arbeitet hingegen für die Franzosen. Nach der siegreichen Schlacht über die Franzosen 1813 finden die beiden dann endgültig zueinander.

Anmerkungen:

Nach „San Franzisko“ war Jeanette MacDonald wieder in einer Filmoperette zu sehen- allerdings ohne ihren Partner Nelson Eddy. Stattdessen wurde der eher unbekannte Allan Jones engagiert. Die MacDonald bestand darauf, dass Jones als Co-Star behandelt wurde und in mehr Szenen zu sehen war als ursprünglich konzipiert. Von der Operette „The Firefly“ wurden nur die Lieder übernommen; die Handlung wurde komplett neu geschrieben. „Tarantella“ erwies sich für MGM nur als leidlich erfolgreich. In „Im Goldenen Westen“ (1938) waren Jeanette MacDonald und Nelson Eddy wieder gemeinsam zu sehen.

Die deutsche Fassung von „Tarantella“ ist um Szenen gekürzt, in denen deutsche Spione zu sehen waren. Die Stimme von Jeanette MacDonald, Hanna Waag, floh 1938 vor den Nazis nach Luxemburg, da ihr Mann Jude war (und sich dort schon aufhielt). Für Erich Fiedler war es die erste Synchronhauptrolle.

Filmausschnitt/ Originalfassung (die Lieder wurden in der deutschen Fassung nicht synchronisiert).

Broadway-Melodie 1938 (USA 1937- DF 1938)

Broadway Melodie 1938

Broadway-Melodie 1938
Originaltitel: Broadway-Melody of 1938
Produktion: MGM, USA, 1937
Regie: Roy del Ruth
Deutsche Fassung: MGM Synchronabteilung, Berlin
Dialogregie: ?
Dialogbuch: ?
Tonsystem: Western Electric (USA) – Tobis/Klangfilm (D)
Deutscher Verleih: MGM, Berlin
Deutsche Erstaufführung: 11.04.1938, Berlin (Marmorhaus)

Rolle- DarstellerDeutsche Stimme:

Steve Raleigh              – Robert Taylor                     Arthur Schröder
Sally Lee                       – Eleanor Powell                   Lu Säuberlich
Sonny Ledford            – George Murphy                  Kurt Meisel
Caroline                        – Binnie Barnes                     Flockina von Platen
Peter                              – Buddy Ebsen                        Clemens Hasse
Alice Clayton               – Sophie Tucker                     Trude Hesterberg
Betty Clayton              – Judy Garland                        Herti Kirchner
Nicki                              – Charles Igor Gorin              Erich Fiedler
Herman                        – Raymond Walborn               Georg Alexander
Duffy                             – Robert Benchley                  Wilfried Seyferth
Kellner                          – Willie Howard                      Fritz Claudius
James K. Blakely        – Charley Grapewin               Franz Weber
Schnüffel                      – Robert Wildhack                 Wolf Trutz
George                           – Billy Gilbert                            Will Dohm
Jerry Mason                  – Barnett Parker                     Hubert von Meyerinck
Emma Snipe                – Helen Troy                             Erika Helmke

Vermutlich wurden auch hier die Rollennamen teilweise in der deutschen Fassung geändert. Der Film wurde für das TV neu synchronisiert; hier sprach Bodo Wolf für Robert Taylor.

Inhalt:

Die junge Pferdetrainerin Sally freundet sich mit  Sonny und Peter an, die ein Pferd nach New York bringen sollen. Sally reist mit den beiden und dem Pferd nach New York. Dabei trifft sie auf die Talentsucher Steve, der Sally zu einem großen Revuestar macht.

Anmerkungen:

Auch „Broadway-Melodie 1938“ zählte zu den großen Kassenerfolgen von MGM in Deutschland. Bei der Synchronbesetzung gab es keinerlei Kontinuität gegenüber „Broadway-Melodie“.

 

 

 

 

 

Broadway-Melodie (USA 1935- DF 1936)

Broadway-Melodie
Originaltitel: Broadway-Melody of 1936
Produktion: MGM, USA, 1935
Regie: Roy del Ruth; W.S. van Dyke (ungenannt)
Deutsche Fassung: MGM Synchronabteilung, Berlin
Dialogregie: ?
Dialogbuch: ?
Tonsystem: Western Electric (USA) – Tobis/Klangfilm (D)
Dt. Verleih: MGM, Berlin
Deutsche Erstaufführung: 25.02.1936

Rolle- DarstellerDeutsche Stimme:

Paul (OF: Bert) Keeler            – Jack Benny        Hans Schalla
Eva (OF: Irene) Foster            – Eleanor Powell Hilde Heinrich
Bob Gordon                               – Robert Taylor    Siegfried Schürenberg
Kitty Corbett                             – Una Merkel       Tatjana Sais
Schnüffel (OF: Snoop)           – Sid Silvers          Kurt Seifert
Teddy (OF: Ted)                        – Buddy Ebsen     Horst Birr
Lillian Brent                              – June Knight       Karin Evans
Annie (OF: Sally)                      – Vilma Ebsen     Gertrud Spalke 

Der Film wurde fürs TV neu synchronisiert: Christian Quadflieg sprach für Robert Taylor.

Inhalt:

Bob Gordon will einen neue Broadway-Show auf die Beine stellen, leidet aber an Geldknappheit. Hilfe kommt von der reichen Lillian Brent. Die macht aber zur Bedingung, dass sie die Hauptrolle übernimmt. Die junge talentierte Eva Foster bemüht sich ebenfalls um die Hauptrolle. Doch Lillian Brent besteht darauf, die Hauptrolle selbst zu spielen. Daraufhin bemühen sich der Journalist Paul Keeler und Gordons Sekretärin darum, dass Eva die Rolle doch bekommt.

Anmerkungen:

Eleanor Powells Gesang wurde von Marjorie Lane übernommen.

Robert Taylor (1911-1969) kam 1935/36 ganz groß als Schauspieler heraus. Er hatte 1934 einen Siebenjahresvertrag bei MGM unterschrieben, blieb aber letztendlich 24 Jahre bei MGM unter Vertrag- länger als jeder andere Schauspieler. In den 30er Jahren hatte er Erfolg mit „Kleinstadtmädel“, „Die Kameliendame“, „Frauenehre“, „Zwischen Hass und Liebe“, „Broadway Melodie 1938“ oder „Der Lausbub aus Amerika“. Zu Beginn der 1950er Jahre konnte er mit Historienfilmen wie „Quo Vadis?“, „Ivanhoe“ oder „Die Ritter der Tafelrunde“ an seine Vorkriegserfolge anschließen. In den 1960er Jahren ließ seine Popularität nach; er gründete eine eigene Produktionsfirma, wo er u.a. in der TV-Serie „Kein Fall für FBI“ zu sehen war. Taylor war von 1939 bis 1951 mit Barbara Stanwyck, in zweiter Ehe ab 1954 mit der deutschen Schauspielerin Ursula Thiess verheiratet. Robert Taylor erlag 1969 einem Lungenkrebsleiden. Die Trauerrede hielt sein Freund Ronald Reagan.

„Broadway Melodie“ wurde einer der größten US-Filmerfolge in Deutschland bis 1940. Interessant dabei ist, dass der Hauptdarsteller Jack Benny Jude war; die Nazi-Zensoren daran aber offenbar keinen Anstoß nahmen.

Filmausschnitt mit Robert Taylor und June Knight (Originalfassung). Die deutsche Kinofassung dürfte sich kaum unterschieden haben- die Lieder wurden nicht eingedeutscht. Möglicherweise gab es aber deutsche Untertitel.

Ein weiterer Filmausschnitt (Originalfassung):