Cynara (USA 1932 – DF 1934)

Cynara-1932
US-Filmplakat

Cynara
Originaltitel: Cynara
Titel in Österreich: Kann eine Frau verzeihen?
Produktion: Sam Goldwyn für United Artists, USA, 1932
Regie: King Vidor
Deutsche Fassung: Bavaria Film AG, München-Geiselgasteig
Dialogregie: Reinhard W. Noack
Dialogbuch: Curt Wesse
Tonmeister: Albert Keller
Tonschnitt:
Max Michel
Tonsystem: Western Electric (USA) – Tobis-Klangfilm (D)
Deutscher Verleih:  Bayerische Filmgesellschaft mbH, München
Deutsche Erstaufführung: 1934

Rolle- DarstellerDeutsche Stimme:

Jim Warlock                               – Ronald Colman      Veit Harlan
Klementine (OF: Clemency) – Kay Francis               Erika Dura
Doris Lea                                     – Phyllis Barry           Viktoria von Ballasko
John Tring                                   – Henry StephensonWalter Holten
Milly Miles                                  – Viva Tattersall        Midi Scheinpflug
Garla                                             – Florina McKinney  Ila Kosak

Inhalt:

Jim Warlock ist ein angesehener Anwalt aus London und mit Klementine glücklich verheiratet. Aus familiären Gründen muss Klementine für einige Zeit verreisen. Den ersten Abend als Strohwitwer verbringt Jim mit seinem Jugendfreund John Tring, einem unentwegtem Lebemann, in einem Restaurant. Sofort fallen John Tring zwei junge Damen am Nebentisch, Doris Lea und Milly Miles, auf. Es beginnt ein harmloser Flirt, doch Doris verliebt sich dabei unsterblich in Jim Warlock. Eine Woche später treffen sich die beiden bei einem Sportfest wieder. Doris gelingt es, dass Jim sie in ihre Wohnung begleitet. Dort gesteht Doris Jim, dass sie sich in ihn verliebt hat. Auf Jims Einwand, dass er glücklich verheiratet sei, entgegnet Doris, dass sie sehr wohl wisse, wann sie sich zurückziehen muss. So verbringen die beiden einige Wochen des Glücks. Dann kündigt Klementine ihre Rückkehr an; Jim beendet schroff die Liaison mit Doris. Aber die kann die Trennung nicht verkraften und begeht Selbstmord. Daraufhin bekommt Jim Besuch von der Polizei, die ihm mitteilt, dass Doris Selbstmord begangen hat und er als Zeuge vor Gericht erscheinen muss. Vor Gericht will Jim die Verstorbene schützen, obwohl er weiß, dass Doris vor ihm schon mit einigen Herren befreundet war. Das Gericht weist Jim daraufhin zumindest eine moralische Mitschuld am Tod der jungen Frau zu. Von allen gemieden, beschließt Jim, England zu verlassen und in den Kolonien ein neues Leben zu beginnen. Nur Jims Frau Klementine hält -schweren Herzens- zu ihrem Mann. Am Tag der Abreise gesteht Jim Klementine, dass er immer nur sie geliebt hat und erzählt ihr die Wahrheit über Doris. Als John Tring Klementine gegenüber die Aussagen Jims bestätigt, reicht Klementine ihrem Mann die Hand zur Versöhnung. Die beiden reisen einem neuen Leben und neuem Glück entgegen.

Anmerkungen:

Ronald Colman (1891-1958) gehörte seit Mitte der 1920er Jahre zu den beliebtesten US-Filmstars. Gemeinsam mit der Ungarin Vilma Bánky bildete Colman ein erfolgreiches Kinoliebespaar im Stummfilm. Mit der Einführung des Tonfilms sank Bánkys Stern rasch, während Colman noch populärer wurde. Er drehte erfolgreiche Filme wie „Kampf um Indien“ (1935), „In den Fesseln von Shangri-La“ (1937), „Der Gefangene von Zenda“ (1937) oder „Kismet“ (1944, mit Marlene Dietrich). Für seine Rolle in „Ein Doppelleben“ (auch: „Mord in Ekstase“, 1947) bekam er 1948 den „Oscar“ für die beste männliche Hauptrolle. Danach war er nur noch selten auf der Kinoleinwand zu sehen. Er starb 1958 an einem Lungenleiden.
Colmans deutscher Sprecher in „Cynara“ ist Veit Harlan (1899-1964). Veit Harlan ist den meisten -wenn er überhaupt heute noch bekannt ist – vor allem als Regisseur von Filmen wie „Jud Süß“ oder „Kolberg“ bekannt.  Harlan begann seine Schauspielerlaufbahn nach dem ersten Weltkrieg, an dem er als Freiwilliger teilnahm. Zwischen 1920 und 1922 gehörte er zum Ensemble der Berliner Volksbühne, anschließend war er bei verschiedenen Theatern in der Provinz tätig. Ab 1926 war Harlan auch auf der Leinwand zu sehen, u.a. in Filmen wie „Der Choral von Leuthen“ oder „Flüchtlinge“ (beide 1933). Sein letzter Film als Schauspieler war „Das Mädchen Johanna“ aus 1935. Von da an widmete sich Harlan der Filmregie. Mit dem Emil-Jannings-Film „Der Herrscher“ aus 1937 gelang der große Durchbruch. Er war einer der Vorzeige-Regisseure des Regimes, zu dem  sich Harlan früh bekannte. Er drehte dann Filme wie „Das unsterbliche Herz“ (1939, mit Heinrich George), „Die Reise nach Tilsit“ (mit Kristina Söderbaum, Frits van Dongen, ebenfalls 1939). Dann folgt 1940 der berüchtigte, antisemitische „Jud Süß“ (1940) für den er angeblich unbedingt die Regie übernehmen wollte. Mit großem Aufwand wurden danach „Der große König“ (1941/42) oder der Durchhaltefilm „Kolberg“ (1944) von ihm gedreht, für die man eine große Anzahl von Statisten von der Wehrmacht abzog. Er drehte aber auch Melodramen wie „Immensee“ (1943) oder „Opfergang“ (1944), die mit leiseren Tönen auskamen. 1943 wurde er, gemeinsam mit dem Kollegen Wolfgang Liebeneiner, von Goebbels zum Professor ernannt. Nach dem Krieg wurde Harlan wg. „Jud Süß“ der Prozess gemacht, er wurde aber sowohl 1949 als auch 1950 freigesprochen. Seine Filme in den 1950er Jahren waren allerdings weniger erfolgreich. Lediglich mit „Anders als Du und ich“ konnte er 1957 nochmals auf sich aufmerksam machen. Der Film sollte ursprünglich ein Plädoyer für die Abschaffung des Homosexualitäts-Paragraphen 175 sein, wurde aber auf Druck der FSK durch Änderungen (u.a. wurden Szenen nachsynchronisiert) letztendlich eher das Gegenteil. Veit Harlan war von 1922 bis 1924 in erster Ehe mit der jüdischen Schauspielerin Dora Gerson, die 1943 in Auschwitz ermordet wurde, verheiratet. 1929 heiratete er die Schauspielerin Hilde Körber (1906-1969), die er 1938 für die schwedische Schauspielerin Kristina Söderbaum (1912-2001) verließ und die er 1939 heiratete. Söderbaum spielte meist die weiblichen Hauptrollen in den Harlan-Filmen. Da sie darin öfters den Freitod im Wasser wählte, wurde sie -wenig schmeichelnd- vom Publikum als „Reichswasserleiche“ bezeichnet. Veit Harlan erlag während eines Urlaubs auf Capri am 13. April 1964 einer Lungenentzündung.

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