Die Continental-Film in Paris

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Logo der Continental-Film

Am 25. Juni 1940 tritt der Waffenstillstand zwischen Frankreich und dem Deutschen Reich in Kraft. Frankreich wird aufgeteilt: in einen von den Deutschen besetzten Nord-Westen sowie einem unbesetzten Südosten, dem sogenannten Vichy-Frankreich unter General Pétain. Mit der Besetzung Frankreichs kommt es auch zu einer Neugestaltung der französischen Kulturpolitik. Propagandaminister Joseph Goebbels entsendet im Herbst 1940 den deutschen Filmproduzenten Alfred Greven (1897-1973) nach Paris. Greven wird am 1.10.1940 Geschäftsführer der Continental-Films S.A. Alfred Greven ist seit 1920 im Filmgeschäft tätig. Er ist bei diversen deutschen Filmfirmen tätig; 1937 wird er Produktionschef der neu gegründeten Terra-Filmkunst AG. Goebbels ernennt Greven im Februar zum neuen Produktionschef der UFA. Doch schon bald gerät Greven in den Skandal um Goebbels und die Schauspielerin Lida Baarova. Greven setzt sich dafür ein, dass der 1938 verbotene Spielfilm „Preußische Liebeslegende“ (mit der Baarova in der weiblichen Hauptrolle) aus kommerziellen Gründen doch aufgeführt wird. Außerdem setzt er sich für eine Neuverpflichtung der tschechischen Schauspielerin durch die UFA ein. Das erregt das Missfallen von Goebbels-Gattin Magda. Die setzt nun ihren Geliebten, den Staatssekretär im Propagandaministerium Karl Hanke, auf Greven an. Hanke betreibt die Entlassung von Greven. Im Herbst 1940 wird Greven dann aber, wie weiter oben erwähnt, neuer Chef der Continental-Film in Paris.

Offiziell in die Continental-Film eine französische Produktionsfirma; de facto wird die Gesellschaft jedoch von der deutschen Cautio-Treuhandgesellschaft geführt. Die Cautio untersteht dem deutschen Propagandaministerium- und damit Minister Goebbels. Die Anweisungen erhält Greven vom Chef der Cautio, Max Winkler. Goebbels wünscht, dass die Continental einfache, kitschige Filme herstellt. Alfred Greven aber sieht das Ganze anders. Er setzt sich mit Eifer für die neue Firma ein und verpflichtet Stars wie die Schauspieler Fernandel, Harry Baur, Edwige Feuillère, Pierre Fresnay, Raimu oder Danielle Darrieux. Ferner Regisseure wie Maurice Tourneur, Henri Decoin oder Christian-Jaque. Der Regisseur und Autor Henri-Georges Clouzot macht bei der Continental seine ersten Filme. Viele der hier genannten Personen müssen sich nach dem Krieg vor Gericht verantworten und werden teilweise mit (vorübergehendem) Berufsverbot belegt.

Als erster Film geht am 17.02.1941 „L’Assassinat du Père Noel“ in Produktion, der deutsche Titel lautet später „Mord am Weihnachtsabend“, später auch als „Mord am Weihnachtsmann“ bekannt. Bis Anfang 1944 werden 30 Spielfilme hergestellt. Für den deutschsprachigen Markt werden viele der Filme deutsch synchronisiert. Die Synchronarbeiten werden direkt in Paris durchgeführt. Mit der Leitung wird der bisher als Herstellungsleiter für verschiedene Produktionsfirmen arbeitende Hans Conradi (1886-1956) verpflichtet. Hans Conradi ist für die Continental als Synchronregisseur tätig, teilweise auch als Dialogbuchautor. Für viele der Dialogbücher ist allerdings auch Richard Busch zuständig. Busch ist ein „alter Hase“ auf dem Gebiet; er hat schon in den 1930er Jahren sehr viele Dialogbücher verfasst, oft in Zusammenarbeit mit dem Dialogregisseur Reinhard W. Noack. Als Synchronschauspieler werden u.a. Ernst Legal, Werner Pledath, Irmingard Schreiter, Wolfgang Staudte oder Rudolf Platte verpflichtet.

Im Mai 1942 wird Alfred Greven bei Goebbels zum Rapport bestellt. Der Minister ist mit dem Niveau der Continental-Filme unzufrieden: es ist ihm zu hoch. Außerdem soll Greven in Paris deutschsprachige Filme mit deutschen Schauspielern herstellen. Greven versucht dies zunächst hinauszuzögern. Für die Saison 1944 plant er dann aber doch, auch deutsche Filme herzustellen. Dazu versucht Greven die deutschsprechenden italienischen Schauspielerinnen Alida Valli und Vivi Gioi für Titelrollen zu verpflichten; dies misslingt. Im Mai 1944 verpflichtet Greven dann die Schauspieler Oskar Sima, Wolf Albach-Retty und Inge Egger. Doch zur Produktion kommt es nicht mehr. Die Alliierten landen in der Normandie und befreien Frankreich. Alfred Greven arbeitet nach dem Krieg auch wieder in der Filmproduktion, stellt allerdings nur noch drei Spielfilme (u.a. „Bonjour Kathrin“, mit Caterina Valente, 1955) und zwei Dokumentarfilme her. Danach ist er als Produzent für das Fernsehen tätig.

Mord am Weihnachtsabend, 1941 (deutsche Synchronfassung) – mit Harry Baur (Stimme: Ernst Legal) und Raymond Rouleau (Stimme: Wolfgang Staudte)

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6 Gedanken zu “Die Continental-Film in Paris

    1. Die Itala-Film bestand zwischen 1930 und 1942. Einer der Stars war der Tenor Beniamino Gigli, der wiederholt für diese Filmgesellschaft arbeitete. Die Itala-Film stellte allerdings in der Regel eine deutsche und eine italienische Filmversion her. Ausnahme ist hier der Film „Mutter“ (1941), dessen italienische Sprachfassung deutsch nachsynchronisiert wurde.

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      1. Maik

        Danke, laut filmportal hatte Itala-Film auch eine Niederlassung in Berlin gehabt… Die Filmografien der „Itala-Film GmbH (Berlin)“ und „Itala-Film SA (Rom)“ sind aber unterschiedlich lang… Wie kann man das bewerten? Ist das nur eine Tochtergesellschaft?
        Mfg

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  1. Stefan Döpke

    Erst einmal zu dieser Seite. Ein unglaublich tolles Projekt, auf das ich per Zufall bei Recherchen gestoßen bin.
    Damit bin ich auch schon bei meinem Thema.
    Ich habe einen Flyer der Studio Film (Inhaber Robert Paetz) zu dem ungarischen Film „Miert?“ von 1943. Studio Film hat den Film nach 1945 unter dem Titel „Lügen ohne Ende“ rausgebracht.
    Lt. Filmverleihkatalog war der Film später bei Roxy im Verleih.
    Ein Filmprogramm dazu hat es, nach meinen Recherchen in der einschlägigen Literatur, nicht gegeben.
    Der Flyer besagt das die Dt. Fassung von der „Deutsche Synchron GmbH“ hergestellt wurde.
    Produktionsleiter war Ullrich Mohrbutter.
    Wenn ich mir die Daten zu „Mein Freund der Präsident“ (Deutsche Synchron/Mohrbutter) anschaue, deckt sich das mit meiner Vermutung, das der Film offenbar schon vor 1945 in dieser Synchronfassung in die Kinos kam.
    Einer der angegebenen Synchronsprecher, Albert Arid, ist zudem bereits am 17.01.1947 verstorben.

    Mich würde interessieren, wann der Film synchronisiert wurde und unter welchem Titel er in die Kinos kam.

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    1. Hallo Herr Döpke, zu diesem Film liegen mit bislang überhaupt keine Infos vor. Anhand Ihrer Angaben bin ich sicher, dass er gegen Ende des Krieges (1944 evtl. noch Anfang 1945) synchronisiert wurde. Möglicherweise kam es Aufgrund der Kriegslage zu keiner Aufführung mehr; aber es könnte auch sein, dass er noch vor Kriegsende in die Kinos kam- Infos hierüber sind leider oft nur schwer zu bekommen. Wäre es möglich, mir eine Kopie des Flyers zu mailen? kinofilmfan@AOL.com . Im Voraus besten Dank!

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