Im Westen nichts Neues (USA 1930 – DF 1930)

Im Westen nichts neues- Werbung

Im Westen nichts Neues
Originaltitel: All Quiet on the Western Front
Produktion: Universal, USA, 1929/30
Regie: Lewis Milestone
Deutsche Fassung: Synchronstudio “Rhythmographie”, Am Halleschen Tor, Berlin
Dialogregie: Max Bing
Assistenz: Konrad P. Rohnstein
Dialogbuch: Elsa Jaque, Clement (= Otto Klement??), R. Richter
Tonschnitt (Assistenz): Werner Jacobs
Gesamtleitung: Viktor Abel
Tonsystem: Western Electric (USA)  – Tobis-Klangfilm (D)
Deutscher Verleih: Deutsche Universal, Berlin
Deutsche Erstaufführung:  4. Dezember 1930, Berlin (Mozartsaal)

Rolle- DarstellerDeutsche Stimme:

Paul Bäumer                       – Lew(is) Ayres              Fritz Ley
Katczinsky                           – Louis Wolheim           Erich Dunskus
Tjaden                                   – „Slim“ Summerville – ?
Himmelstoß                       – John Wray                    Bruno Fritz
Kemmerich                         – Ben Alexander            Wolfgang Staudte
Kantorek                              – Arnold Lucy                 Bruno Fritz

 

Der Film wurde mehrfach neu synchronisiert. 1952 von der Ultra Film Berlin, mit Sebastian Fischer (Lew Ayres). Erich Dunskus sprach seine Rolle für Louis Wolheim erneut. 1984 im Auftrag des ZDF von der Berliner Synchron mit Stephan Schwartz (Ayres) und Franz-Otto Krüger (Wolheim), 2005 für eine DVD-Ausgabe mit Manuel Straube (Ayres) und Hartmut Neugebauer (Wolheim).

Inhalt:

Deutschland, 1916. Eine Abiturientenklasse, angeführt von ihrem „Mentor“ Paul Bäumer, lässt sich durch die patriotischen Phrasen ihres Lehrers Kantorek überzeugen und meldet sich an die Front. Doch bereits die Ausbildung fällt ganz anders aus als die jungen Männer gedacht haben. Ihr Ausbilder, der Unteroffizier Himmelstoß, im Zivilberuf ein freundlicher Postbote, erweist sich als schikanöser Sadist. Er quält die jungen Rekruten, lässt sie durch Matsch robben und stundenlang Exerzieren. An der Front angekommen, lernen die jungen Soldaten bald die Schrecken des Krieges kennen. Zu einem Freund entwickelt sich der erfahrene Unteroffizier Katczinsky, Kat genannt, ein erfahrener Landsturmmann aus Ostpreußen. Nach und nach fallen viele der Abiturienten an der Front. Eines Tages kommt auch Himmelstoß an die Front. Sofort versucht er wieder seinen Feldwebelton, doch niemand hört auf ihn. Voller Angst sieht Himmelstoß dem ersten Angriff entgegen, bei dem er auch fällt. Nach einer Verwundung kommt Paul wieder nach Hause, doch dort findet er sich nicht zurecht. Zurück an der Front findet Paul kaum einen Kameraden wieder. Nur der gute alte Kat ist noch da- doch bei einem Fliegerangriff wird Katczinsky tödlich verwundet. Wieder im Schützengraben greift Paul nach einem Schmetterling- und wird von einem Scharfschützen erschossen. Der Heeresbericht meldet an diesem Tage jedoch nur: „Im Westen nichts Neues“.

 Anmerkungen:

Wohl kaum ein bedeutender Film wurde in seiner Geschichte so zensiert wie „Im Westen nichts Neues“. Erich Maria Remarque schrieb 1928 seinen Bestseller, der im Laufe des Jahres 1929 ein riesiger Erfolg wurde. Der Universal-Chef Carl Laemmle erwarb 1929 die Filmrechte. Im November 1929 begannen die Dreharbeiten. Der Film wurde als Ton- und Stummfilm hergestellt. Im April 1930 fand die Uraufführung der stummen Version statt, die Tonversion wurde im Juni 1930 aufgeführt. In Deutschland hatte der Film in der Synchronfassung am 4. Dezember 1930 im Berliner Mozartsaal seine Erstaufführung. Schon diese Fassung war gegenüber der ursprünglichen Fassung gekürzt, vor allem fehlten die Schleiferszenen mit Himmelstoß. Das hinderte den NSDAP-Gauleiter von Berlin, Goebbels, nicht daran, massiv gegen den Film vorzugehen. Mehrfach störten er und seine SA-Horden Aufführungen des Films. Schließlich wurde der Film vorläufig abgesetzt und am 11. Dezember 1930 verboten. Nach weiteren Kürzungen lief er dann ab 8. Juni wieder an- allerdings nur für geschlossene Veranstaltungen. Am 2. September kam er dann für die Allgemeinheit wieder in die Kinos, nach weiteren Kürzungen und nachdem sich Universal verpflichtete, den Film im Ausland nur in der für Deutschland genehmigten Fassung zu zeigen. Aber auch in den USA selbst und in anderen Ländern wurde der Film immer wieder gekürzt und umgestaltet. Mit dem Machtantritt der Nazis wurde der Film in Deutschland dann endgültig verboten.
Wie schon „Vorhang auf!“ wurde auch „Im Westen nichts Neues“ vom Synchronstudio „Rhythmografie“ eingedeutscht. Der Dialogregisseur Max Bing (1885-1945) war in der Hauptsache beim Rundfunk tätig. Er arbeitete vor allem als Hörspielregisseur. Sein Assistent war Konrad P. Rohnstein, der einige Zeit später eine eigene Synchronfirma gründete. Zu den Assistenten zählte auch der spätere Filmregisseur Werner Jacobs (1909-1999). Die Hauptrolle des Paul Bäumer wurde von Fritz Ley (1901-1980) gesprochen. Ley wurde vor allem in den 1930er Jahren immer wieder in Synchronhauptrollen eingesetzt. Auch nach dem Krieg war er noch einige Jahre in diesem Metier tätig.

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Vorhang auf! (USA 1929 – DF 1930)

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US-Filmplakat

Vorhang auf!
Originaltitel: Gold Diggers of Broadway
Produktion: Warner Bros., The Vitaphone Company, USA, 1929
Regie: Roy del Ruth
Deutsche Fassung: Synchronstudio „Rhythmographie“, Am Halleschen Tor, Berlin
Dialogregie: Karl Zander
Assistenz: Konrad P. Rohnstein
Dialogbuch: ?
Gesamtleitung: Viktor Abel
Tonsystem: Vitaphone (USA)  – Tobis-Klangfilm (D)
Deutscher Verleih: National-Filmverleih, Berlin (?)
Deutsche Erstaufführung:  Oktober 1930

Rolle- DarstellerDeutsche Stimme:

Jenny (OF: Jerry)       – Nancy Welford             Ilse Baerwald
Steff (OF: Stephen)  – Conweay Tearle            Bruno Fritz
Mabel                            – Winnie Lightner          Lotte Werkmeister
Anni (OF: Ann)           – Ann Pennington           Annie Frank-Schlessing
Lilian (OF: Eleanor)  – Lilyan Tashman           Elsa Häusler
Walter (OF: Wally)    – William Bakewell         Alfons Steinfeld
Nick                                – Nick Lucas                      Siegfried Nunberg
Violet                              – Helen Foster                   – Käte Foerder
Blank (OF: Blake)        –Albert Gran                    Karl Wallauer
Tipsy (OF:Topsy           – Gertrude Short              Hanna Korten-Altmann

Inhalt:

Der Film handelt von einer Gruppe Showgirls, deren Star Anni ist. Anni ist hinter dem Gitarristen Nick her- aber nicht nur sie. Als Anni eine Auseinandersetzung mit einem anderen Mädchen hat, verletzt sie sich am Auge. Das ist die Chance für die junge Jenny, die nun die Hauptrolle erhält. Aber sie bekommt nicht nur die Hauptrolle, sondern auch den jungen Wally.

Anmerkungen:

Dieser Revuefilm ist das Remake eines Stummfilms aus 1923. Der Film hat eine (Zweifarben-) Technicolor-Sequenz. Ob dieser Ausschnitt auch in der deutschen Kinoversion zu sehen war, ist nicht bekannt. Der Film wurde im Vitaphone-Nadeltonverfahren hergestellt.
Der Film ist eine der ersten in Deutschland hergestellten Synchronisationen, hergestellt bei der „Rhythmographie“ in Berlin. Die meisten der mitwirkenden Synchronsprecher sind heute nahezu unbekannt. Der bekannteste ist sicherlich der Berliner Schauspieler und Kabarettist Bruno Fritz (1900-1984). 1935 gründete er mit Tatjana Sais und Günter Neumann das Kabarett „Tatzelwurm“, von 1948 bis 1967 war er Mitglied des berühmten Kabaretts „Die Insulaner“ (auch von Günter Neumann gegründet). Seit Mitte der 1930er Jahre war er immer wieder in Nebenrollen im Film zu sehen, wobei er oft den „Ur-Berliner“ darstellte. Auch später im Fernsehen war er oft der „typische Berliner“. Als Synchronsprecher hatte er immer wieder Auftritte, so war er u.a. die Stimme von Richard Widmark in „Herrin der toten Stadt“.
Ilse Baerwald (Lebensdaten unbekannt) spielte u.a. an der Volksbühne Berlin. Sie trat in den Filmen „Zwischen Nacht und Morgen“ (1931) und „Das erste Recht des Kindes“ (1932) auf.
Lotte Werkmeister (1885-1970) war vor allem im Kabarett und im Varieté tätig. Ab 1917 war Lotte Werkmeister auch im Film zu sehen. Bis 1943 kommt sie auf über 35 Filmauftritte.
Siegfried (auch: Siegmund) Nunberg (1879-1950) begann seine Theaterlaufbahn in Schlesien. Nach diversen Theaterstationen über ein Jahrzehnt lang in Berlin am Deutschen Theater unter Max Reinhardt beschäftigt. 1930 einzige deutsche Filmrolle in „Dreyfus“. Nach 1933 erhielt der jüdische Schauspieler nur Beschäftigung beim jüdischen Kulturbund. 1938 gelang ihm die Flucht in die USA. Seit 1944 US-Staatsbürger verdiente er sich seinen Lebensunterhalt zuletzt als Bankangestellter.
Käte Foerder (1894-1978) war 1926 am Theater in Gotha beschäftigt; 1930 trat sie im Weimarer Rundfunk auf. 1932 hatte sie eine kleine Rolle im Kinofilm „Das erste Recht des Kindes“. Nach der Machtergreifung wirkte sie kurz beim jüdischen Kulturbund und emigrierte dann in die Niederlande und trat dort im Theater auf. Sie war mit Siegfried Mayerson Maerzon verheiratet, mit dem sie 2 Kinder hatte. Sie starb 1978 in Haifa, Israel.
Karl (Carl) Wallauer (1874-1937) trat zwischen 1917 und 1928 in rund 10 Stummfilmen auf. Er war außerdem als Präsident der Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger gewerkschaftlich tätig.
Über Annie Frank-Schlessing, Elsa Häusler, Alfons Steinfeld und Hanna Korten-Altmann ist leider nichts bekannt.

 

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Alarm im Warenhaus (I 1939 – DF 1940)

Alarm im Warenhaus
Originaltitel: Grandi Magazzini
Produktion: Era-Films, Amato Films, Italien, 1939
Regie: Mario Camerini
Deutsche Fassung: Lüdtke & Dr. Rohnstein, Berlin
Dialogregie: Dr. Konrad P. Rohnstein
Dialogbuch: Alfred Haase
Tonsystem: RCA-Photophone (I) – Tobis-Klangfilm (D)
Deutscher Verleih: DiFu- Deutsch-Italienische Film-Union
Deutsche Erstaufführung:  Juni 1940

Rolle- DarstellerDeutsche Stimme:

Bruno Zacchi                      – Vittorio de Sica          Wolfgang Staudte
Laura Corelli                       – Assia Noris                  Ursula Grabley
Abteilungsleiter Bertini  – Enrico Glori                Alfred Haase
Emilia                                    – Luisella Beghi            Edyth Edwards
Gaetano                                 – Virgilio Riento          Bruno Fritz
Anna                                       – Milena Petrovich      Cecilie Gelers
Maurizio                                – Andrea Checchi         Harry Giese

Inhalt:

Bruno Zacchi wird Fahrer in einem großen Warenhaus. Schon bald verliebt er sich in die Verkäuferin Lauretta, die seine Liebe auch erwidert. Doch dann wird Lauretta durch eine Intrige des Diebstahls beschuldigt und Bruno wendet sich ab. Aber dann kann Bruno des wahren Schuldigen finden: den Abteilungsleiter Bertini und das Mannequin Anna. Nun steht der Hochzeit von Bruno und Lauretta nichts mehr entgegen.

Anmerkungen:

In diesem Film übernahm Wolfgang Staudte die Synchronisation von Vittorio de Sica. In „Ein Mann wird entführt“, 1939 in Deutschland gelaufen, war es Harry Giese, der diesmal in einer kleinen Rolle zu hören ist. In den nächsten de Sica-Filmen, „Frau am Abgrund“, „Dunkelrote Rosen“ und „Verliebte Unschuld“ war es dann wieder Harry Giese.