Zum 96. Geburtstag von Carmen Lahrmann

Autor: Uwe Meusel, Freiburg
Erschienen in German Tap Magazin 4/2021 – Dezember 2021
Fernsehprogramm aus Dezember 1938, mit Ankündigung der „Spielzeugparade“ am 23.12.1938. Der Begriff „Unmittelbare Sendung“ steht für eine Livesendung. Damals wurde fast alles live ausgestrahlt.

An dieser Stelle meinen Dank an Herrn Klaus Schumann, der mir den Bericht zur Verfügung stellte!

Fräulein Winnetou (USA 1939 – DF 1939)

fräulein winnetou
US-Filmplakat

Fräulein Winnetou
Originaltitel: Susannah of the Mounties
Produktion: 20th Century Fox, 1939
Regie: William A. Seiter, Walter Lang
Deutsche Fassung: Deutsche Fox Film AG, Synchronabteilung, Berlin
Dialogregie: Reinhard W. Noack
Dialogbuch: Richard Busch (?)
Tonsystem: Western Electric (USA) – Tobis-Klangfilm (D)
Deutscher Verleih:  Deutsche Fox Filmverleih, Berlin
Deutsche Erstaufführung:  28.11.1939, Kiel – Berliner EA: 09.01.1940

Rolle- DarstellerDeutsche Stimme:

Susanne, gen. Su       – Shirley Temple              Carmen Lahrmann
Angus „Monty“ Montague     – Randolph Scott – Herbert Gernot
Vicky Standing        – Margaret Lockwood       – ?
Pat O’Hannegan      – J. Farrel McDonald        – C.W. Burg
Andrew Standing   – Moroni Olsen                  – ?
Häuptling                 – Chief John Big Tree      Hans Meyer-Hanno
Harlan Chambers  Lester Matthews            – Hanns Eggerth

Das ZDF ließ den Film 1976 neu synchronisieren; mit Madeleine Stolze (Temple), Peter Kirchberger (Scott) und Katrin Schaake (Lockwood).

Inhalt:

Die kleine Susanne überlebt als einzige ein Indianer-Massaker. Dennoch freundet sie sich mit einem Häuptlingssohn an…

Anmerkungen:

„Fräulein Winnetou“ erlebte als letzter Shirley-Temple-Film seine deutsche Uraufführung am 28. November 1939 in Kiel (fälschlicherweise wird auf einigen Internetseiten die Berliner UA am 09.01.1940 als deutsche Uraufführung angegeben). Ab etwa 1938 wurden viele US-Produktionen nicht mehr in Berlin, sondern in der Provinz gestartet. Nachdem die UFA verstaatlicht wurde, waren die Uraufführungskinos für die deutschen Filme reserviert. Zwar kamen trotzdem noch einige US-Filme in Kinos wie dem traditionsreichen „Marmorhaus“ in Berlin zur deutschen Erstaufführung, häufig aber liefen US-Filme erst Wochen bzw. Monate später in Berlin an.

US-Filmtrailer

Heidi (USA 1937 – DF 1938)

Heidi
Originaltitel: Heidi
Produktion: 20th Century Fox, 1937
Regie: Allan Dwan
Deutsche Fassung: Tobis-Melofilm GmbH, Berlin
Dialogregie: Reinhard W. Noack
Dialogbuch: Richard Busch
Tonschnitt: Ernst König
Tonmeister: Martin Müller
Tonsystem: Western Electric (USA) – Tobis-Klangfilm (D)
Deutscher Verleih:  Deutsche Fox Filmverleih, Berlin
Deutsche Erstaufführung:  13.12.1938, Berlin  (Tauentzien-Palast – U.T. Friedrichstraße)

Rolle- DarstellerDeutsche Stimme:

Heidi                                         – Shirley Temple              Carmen Lahrmann
Großvater Adolph Kramer – Jean Hersholt                  C.W. Burg
Diener Andrews                    – Arthur Treacher             – Hans Karl Friedrich
die blinde Anna                     – Helen Westley                Lilli Schönborn
Pastor Schultz                        – Thomas Beck                   Arthur Seeger
Frl. Rottenmeier                    – Mary Nash                        Eva Maria Brock
Herr Sesemeier                        – Sidney Blackmer            – Hanns Eggerth
Tante Dete                               – Mady Christians             Gerti Ober

Inhalt:

Die kleine Heidi lebt mit ihrem Großvater in den Schweizer Bergen. Eines Tages nimmt sie ihre Tante Dete mit nach Frankfurt- gegen den Willen des Großvaters. In Frankfurt lebt Heidi bei der reichen Familie Sesemann. Heidi soll dort Spielkameradin der gehbehinderten Klara werden. Die Hausdame, Frl. Rottenmeier, ist über den Gast aus der Schweiz alles andere als begeistert. Und Heidi fehlen ihre Berge sehr, sie leidet an Heimweh. Beim Weihnachtsfest bei Sesemanns gibt es eine Überraschung: die gehbehinderte Klara, unterstützt von Heidi, kann einige Schritte gehen. Danach kommt es zu einer Auseinandersetzung mit Frl. Rottenmeier, die daraufhin das Haus verlassen muss. Inzwischen ist auch der Großvater Adolph, „Alp-Öhi“ genannt, in Frankfurt eingetroffen- er möchte seine Heidi wiedersehen. Frl. Rottenmeier, die Heidi die Schuld an ihrer Situation gibt, erzählt Heidi, dass sie sie zum Großvater bringen möchte. Doch in Wirklichkeit will sie das Mädchen an vorbeiziehende Zigeuner verkaufen. Doch der Alp-Öhi kann das verhindern; Heidi kehrt mit dem Großvater in die Berge zurück.

Anmerkungen:

Die „Tante Dete“ wird in diesem Film von der deutschen Schauspielerin Mady Christians (19.01.1900, Wien [andere Quellen: 1892, 1896] – 28.10.1951) dargestellt. Sie war Tochter einer Schauspielerfamilie und lebte ab 1912 in den USA, wo der Vater Leiter eines deutschsprachigen Theaters war. Mit dem Kriegseintritt der USA 1917 musste die Familie das Land verlassen und kehrte nach Deutschland zurück. Mady Christians, die schon in den USA ihren ersten Stummfilm gedreht hatte, fand in Deutschland schnell Zugang zum deutschen Film. In den 1920er Jahren spielte sie in vielen Stummfilmen mit. Sie spielte dann die weibliche Hauptrolle im ersten deutschen Tonfilm „Dich hab ich geliebt“ (mit Hans Stüwe als Partner), der am 22.11.1929 Premiere hatte und der erste 100%ige Sprech- und Tonfilm war, der in Deutschland gedreht wurde. Ein weiterer Erfolg war „Ich und die Kaiserin“ (1933, mit Lilian Harvey,  Conrad Veidt, Heinz Rühmann); die erste und einzige Filmregie des Komponisten Friedrich Holländer). Im selben Jahr verließ Mady Christians Deutschland. Sie spielte in den USA vorwiegend am Theater, trat aber auch immer wieder im Film auf. Während der McCarthy-Ära Ende der 1940er Jahre geriet sie in den Verdacht, Anhängerin der Kommunistischen Partei zu sein. Ihre Filmkarriere war damit endgültig beendet. Sie starb am 28.10.1951 an einem Gehirnschlag.

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Mady Christians

US-Trailer

Shirley auf Welle 303 (USA 1937 – DF 1938)

Deutsche und österreichische Werbeanzeige

Shirley auf Welle 303
Originaltitel: Rebecca of Sunnybrook Farm
Produktion: 20th Century Fox, 1937
Regie: Allan Dwan
Deutsche Fassung: Deutsche Fox Film AG, Synchronabteilung, Berlin
Dialogregie: Reinhard W. Noack (?)
Dialogbuch: Richard Busch (?)
Tonsystem: Western Electric (USA) – Tobis-Klangfilm (D)
Deutscher Verleih:  Deutsche Fox Filmverleih, Berlin
Deutsche Erstaufführung:  15.07.1938 – Berliner EA: 26.08.1938 (Tauentzien-Palast, OmU – U.T. Friedrichstraße (DF)

Rolle- DarstellerDeutsche Stimme:

Camilla Winstead          –  Shirley Temple               Carmen Lahrmann
Anthony Kent                 –   Randolph Scott                – Siegfried Schürenberg
Orville Smithers             –   Jack Haley                         Harry Giese
Gwen                                   –  Gloria Stuart                     – ?
Lola Lee                             –   Phyllis Brooks                  – ?

Inhalt: 

Die Reklamechefs einer Haferflockenmarke haben den Rundfunkhörern Amerikas eine Sensation versprochen: demnächst soll im Radio die „Kleine Miss Amerika“ zu hören sein. Das Problem ist aber, dass sie nicht wissen, woher sie das Wunderkind überhaupt nehmen sollen. Bei Probeaufnahmen im Studio fällt ein Kind nach dem anderen durch- keine entspricht den Vorstellungen. Da singt die kleine Camilla vor- und Anthony Kent, der Werbemanager,  ist von der Stimme begeistert, die er im Lautsprecher hört. Doch dann läuft alles schief: Kents Assistent Orville soll Camilla einen Vertrag übergeben. Doch Orville hat nur Augen für die Sängerin Lola Lee; er verwechselt Camilla mit einem anderen Kind und schickt sie nach Hause. Die kleine Camilla ist danach mit ihrem Stiefvater wie vom Erdboden verschwunden. Nach dem vermeintlichen Fiasko will Camillas Stiefvater die Kleine soll schnell wie möglich loswerden. Er bringt sie zu seiner Schwester Miranda, die eine Farm auf dem Land hat. Die Tante hat allerdings größtes Misstrauen gegenüber Künstlern . Camilla blüht auf der Farm richtig auf. Eines Tages muss sie ein kleines Ferkel fangen, welches ausgerissen ist. Dabei trifft sie auf – Anthony Kent! Kent möchte einige Tage auf seiner Farm ausspannen, während sein Assistent Orville auf der Suche nach der kleinen Sängerin ist, die er versehentlich fortgeschickt hat. Doch dann hören die beiden im Nebenzimmer die Stimme Camillas- es ist das fortgeschickte Wunderkind! Sofort macht Kent Tante Miranda ein Angebot- doch die Tante mag bekanntlich keine Künstler und sagt rundweg nein. Doch Kent hat schon eine Idee: in seiner Farm wird ein Sender eingerichtet, damit Camilla dort auftreten kann. Camillas Cousine Gwen, die sich in Kent verliebt hat, sagt ihre Unterstützung zu. Und tatsächlich: Camilla tritt im Radio auf und die Sendung wird ein voller Erfolg. Doch nun tritt Camillas Stiefvater wieder auf den Plan; mit einer neuen „Mama“ und einem Rechtsanwalt holt er Camilla von der Farm ab. Die Kleine soll nun bei der Konkurrenz als „Miss Universum“ singen. Doch bei der Sendung versagt die Stimme des Mädchens. Ein Arzt bestätigt, dass sie zwei Jahre ihre Stimme schonen müssen. Unter diesen Umständen lässt sich der Stiefvater von Kent die Vormundschaft abkaufen. Doch was der Stiefvater nicht wusste: Camilla hat plötzlich ihre Stimme wieder- die Kleine hatte mit dem Arzt gemeinsame Sache gemacht. Glücklich lebt sie jetzt mit ihren neuen Eltern Anthony Kent und Gwen.

Anmerkungen:

Randolph Scott (1898-1987)  ist in Deutschland vor allem durch seine Western bekannt geworden. Als rechtschaffender Saubermann ritt er durch unzählige Western der 1940er und 1950er Jahre. Mit Peckinpahs „Sacramento“ (1962) beendete er seine langjährige Filmkarriere. Zu diesem Zeitpunkt galt Scott, der seine Gagen gewinnbringend angelegt hatte und eine eigene Filmproduktion besaß, als einer der reichsten Hollywood-Schauspieler. Gloria Stuart, die im Film Scotts Partnerin „Gwen“ spielt, wurde viele Jahre später noch einmal richtig bekannt: in James Camerons „Titanic“ (1997) spielte sie die alte „Rose“. Gloria Stuart starb 2010 im Alter von 100 Jahren.

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Randolph Scott

 

 

US-Trailer

Rekrut Willie Winkie (USA 1937 – DF 1937)

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US-Filmplakat

Rekrut Willie Winkie
Originaltitel: Wee Willie Winkie
Produktion: 20th Century Fox, 1937
Regie: John Ford
Deutsche Fassung: Tobis-Melofilm für Deutsche Fox Film AG, Berlin
Dialogregie: Reinhard W. Noack
Dialogbuch: Richard Busch
Tonsystem: Western Electric (USA) – Tobis-Klangfilm (D)
Deutscher Verleih:  Deutsche Fox Filmverleih, Berlin
Deutsche Erstaufführung:  29.12.1937

Rolle- DarstellerDeutsche Stimme:

Priscilla Williams        – Shirley Temple         Carmen Lahrmann
Sgt. McDuff                   – Victor McLaglen        Hanns Eggerth
Oberst Williams           – C. Aubrey Smith        – Walter Werner
Joyce Williams              – June Lang                     Dolly Raphael
Lt. Brandis                     – Michael Whalen        Fritz Ley
Khoda Khan                   – Cesar Romero            Karl Meixner
Frau Allardyce               – Constance Coller     Lilli Schönborn
Elsie Allardyce               – Bunny Beatty            – Christine Grabe
Soldat Mott                     – Douglas Scott            Rolf Günther
Mohammed Dihn         – Willie Fung                Wolf Trutz
Bagby                               – Brandon Hurst          Guido Goroll

Inhalt:

Die mittellose Joyce Williams reist anno 1897 mit ihrer kleinen Tochter Priscilla nach Indien zu ihrem Großvater, Oberst Williams. Dort kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen den Einheimischen unter dem Kommando von Khoda Khan und den britischen Truppen. Priscilla beschließt, Soldat zu werden. Sergeant McDuff hilft ihr dabei. Eines Tages kehrt McDuff von einem Patrouillenritt schwer verwundet zurück; sein Trupp war in einen Hinterhalt geraten. Nun beschließt Priscilla, dem unsinnigen Töten ein Ende zu machen- sie verhandelt mit den Aufständischen…

Anmerkungen:

In der deutschen Fassung wird die Rolle der „Joyce“ von Dorothea „Dolly“ Raphael gesprochen. Dolly Raphael, deren Lebensdaten unbekannt sind, spielte ab 1931 kleinere Rollen im deutschen Film, so in „Pour lé Merite (1938) oder in „Nanette“ (1940).

Priscilla nimmt Abschied von Sergeant Duff (Originalversion)

Sonnenscheinchen (USA 1935 – DF 1937)

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US-Filmplakat

Sonnenscheinchen
Originaltitel: Stowaway
Titel in Österreich: Die kleine Ching Ching (Schanghai in Flammen)
Produktion: 20th Century Fox, 1935
Regie: William A. Seiter
Deutsche Fassung: Tobis Melofilm für Deutsche Fox Film, Berlin (April 1937)
Dialogregie: Reinhard W. Noack ?
Dialogbuch: Richard Busch ?
Tonsystem: Western Electric (USA) – Tobis-Klangfilm (D)
Deutscher Verleih:  Deutsche Fox Filmverleih, Berlin
Deutsche Erstaufführung:  29.04.1937

Rolle- DarstellerDeutsche Stimme:

Barbara „Ching Ching“ Stewart  – Shirley Temple   Carmen Lahrmann
Tommy Randall                                 – Robert Young      – Harry Giese
Susan Parker                                       – Alice Faye            – ?
Frau Hope                                            – Helen Westley    Margarete Kupfer
Richard Hope                                      – Allan Lane           Fritz Ley
der Oberst                                            – Eugene Pallette   – ?
Atkins                                                    – Arthur Treacher  – Karl Friedrich
Kapitän                                                  – Robert Greig         C.W. Burg

Inhalt:

Die kleine Barbara Stewart, genannt „Ching Ching“, lebt bei einem Missionar in China. Der Missionar wird von chinesischen Räubern getötet, die kleine Ching Ching verliert auf der Flucht ihre Begleiter. Sie landet auf einem Dampfer. Dort nimmt sie der junge Playboy Tommy Randall unter seine Obhut. Er möchte die Kleine adoptieren, aber dazu braucht er eine Frau. Dafür findet sich die junge Susan Parker. Die beiden heiraten und adoptieren Ching Ching. Als sich Tommy und Susan verabredungsgemäß wieder scheiden lassen wollen, stellen sie fest, dass sie sich ineinander verliebt haben. Die kleine Familie bleibt zusammen.

Anmerkungen:

„Paimann’s Filmlisten“ aus Wien fanden lobende Worte für die deutsche Synchronisation: „…sind Dialoge und Lieder textlich einwandfrei und stets verständlich eingedeutscht, auch Shirleys Sprachdouble ziemlich passend, so dass das Ganze als ein brauchbarer Ersatz des Originals anzusprechen ist

Filmausschnitt (US-Version)

Der kleinste Rebell (USA 1935 – DF 1936)

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US-Filmplakat

Der kleinste Rebell
Originaltitel: The Littlest Rebel
Titel in Österreich:  Der kleine Rebell
Produktion: 20th Century Fox, 1935
Regie: David Butler
Deutsche Fassung: Tobis Melofilm für Deutsche Fox Film, Berlin (Mai 1936)
Dialogregie: Reinhard W. Noack ?
Dialogbuch: Richard Busch ?
Tonsystem: Western Electric (USA) – Tobis-Klangfilm (D)
Deutscher Verleih:  Deutsche Fox Filmverleih, Berlin
Deutsche Erstaufführung:  26.06.1936

Rolle- DarstellerDeutsche Stimme:

Virgie Cary                        – Shirley Temple          Carmen Lahrmann
Herbert Cary                     – John Boles                   Harry Giese
Oberst Morrison               – Jack Holt                      Siegfried Schürenberg
Frau Cary                           – Karen Morley               – ?
Onkel Bill                          – Bill Robinson                – ?

Das ZDF ließ den Film 1976 neu synchronisieren; für Shirley Temple sprach Madeleine Stolze.

Inhalt:

Die Familie Cary betreibt eine Farm im Süden der USA. Die Familie gibt ein Fest, der Sklave Onkel Bill unterhält die Gäste mit Tänzen. Da kommt die Nachricht, dass der Bürgerkrieg ausgebrochen ist. Die Farm der Carys wird von Unions-Soldaten unter dem Kommando von Oberst Morrison besetzt. Doch Herbert Cary, der für die Südstaaten kämpft, kann die Besetzung wieder aufheben.

Anmerkungen:

Shirley Temple tritt in diesem Film mit einem der bekanntesten Tänzer jener Jahre, Bill „Bojangles“ Robinson, zusammen auf. Die männliche Hauptrolle hat John Boles (1895-1969) inne, der in jenen Jahren sehr populär war (allerdings ließ seine Popularität Ende der 1930er Jahre stark nach). Boles wurde damals öfters von Harry Giese (u.a. „Die Botschaft an Garcia“, ebenfalls 1936) gesprochen- aber auch von Siegfried Schürenberg („Seitenwege des Lebens“, DF 1933).

Shirley Temple und Bill „Bonjangles“ Robinson tanzen (Originalversion)

Carmen Lahrmann singt auf Platte „Polly Wolly Doodle“ aus „Der kleinste Rebell“

Shirley ahoi! (USA 1936 – DF 1936)

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Shirley ahoi!
Originaltitel: Captain January
Produktion: 20th Century Fox, 1936
Regie: David Butler
Deutsche Fassung: Tobis Melofilm für Deutsche Fox Film, Berlin
Dialogregie: Reinhard W. Noack ?
Dialogbuch: Richard Busch ?
Tonsystem: Western Electric (USA) – Tobis-Klangfilm (D)
Deutscher Verleih:  Deutsche Fox Filmverleih, Berlin
Deutsche Erstaufführung:  12.09.1936, Berlin (UT Kurfürstendamm – OF; Titania-Palast – DF)

Rolle- DarstellerDeutsche Stimme

Helen „Sternchen“ Mason  – Shirley Temple                Carmen Lahrmann
Kapitän January                       – Guy Kibbee                        C.W. Burg
Kapitän Nazro                           – „Slim“ Summerville      Karl Meixner
Paul Roberts                               – Buddy Ebsen                     Walter Bluhm
Agatha Morgan                          – Sara Holden                       – Eva Maria Brock
Mary                                              – June Lang                            – ?
Eliza Croft                                   – Jane Darwell                       – Margarete Kupfer
John Mason                                 – George Irwing                   Erich Dunskus
Frau Mason                                  – Nella Walker                      – ?

Inhalt:

Der alte Kapitän January zieht das Findelkind „Sternchen“ Morgan auf. Eines Tages kommt die Fürsorgerin Agatha Morgan; sie möchte, dass das kleine Mädchen zur Schule geht und in ein Heim kommt. Käpt’n January und „Sternchen“ sind verzweifelt, denn die Kleine möchte bei ihrem „Käpt’n“ bleiben. Da hilft Januarys alter Freund Nazro. Er findet heraus, dass „Sternchen“ noch lebende Verwandte hat; alles wendet sich zum Guten.

Anmerkungen:

„Shirley ahoi“ lief am 12.09.1936 zeitgleich in der Originalfassung und in der Synchronfassung in Berlin an. Dies war damals nicht unbedingt selbstverständlich. Häufig war es so, dass in den Berliner Uraufführungskinos die Originalfassung mit dt. Untertiteln lief, die kurz danach von einer Synchronfassung abgelöst wurde. Leider lässt sich auch bei diesem Film nicht gesichert feststellen, dass für die deutsche Bearbeitung Richard Busch (Buch) und Reinhard W. Noack (Regie) zuständig waren. „Shirley Ahoi“ ist im Juni 2016 nach fast 80 Jahren auf DVD erschienen, in der deutschen Fassung von 1936.

Filmausschnitt: „At the Codfishball“ in der Originalfassung. In der deutschen Fassung sind Carmen Lahrmann und Walter Bluhm zu hören.

Carmen Lahrmann singt auf Schallplatte die deutsche Fassung, „Seefischball“

 

Lockenköpfchen (USA 1935 – DF 1936)

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US-Filmplakat

Lockenköpfchen
Originaltitel: Curly Top
Produktion: 20th Century Fox, 1935
Regie: Irving Cummings
Deutsche Fassung: Tobis Melofilm für Deutsche Fox Film, Berlin
Dialogregie: Reinhard W. Noack ?
Dialogbuch: Richard Busch ?
Tonsystem: Western Electric (USA) – Tobis-Klangfilm (D)
Deutscher Verleih:  Deutsche Fox Filmverleih, Berlin
Deutsche Erstaufführung:  09.03.1936

Rolle- DarstellerDeutsche Stimme

Elizabeth Blair            –  Shirley Temple               Carmen Lahrmann
Edward Morgan          – John Boles                         Harry Giese
Mary Blair                     – Rochelle Hudson             – ?
Mrs. Denham               – Jane Darwell                     – ?

Inhalt:

Der reiche Edward Morgan lernt die beiden Waisenmädchen Elizabeth Blair und ihre ältere Schwester Mary kennen. Er ist sofort verzückt in die beiden. Unter dem Namen „Jones“ adoptiert er sie. Als Morgan die beiden besser kennen lernt, verliebt er sich in Mary.

Anmerkungen:

Bereits 1934 erschien mit „Shirley’s großes Spiel/ Baby Take a Bow“ der erste Film mit Shirley Temple in Deutschland. Leider ist über die deutsche Bearbeitung nichts bekannt. Sicher ist, dass Shirley Temple noch nicht von Carmen Lahrmann gesprochen wurde. Im Frühjahr 1936 erschien dann der zweite Temple-Film in Deutschland: „Lockenköpfchen“, 1935 in den USA gedreht. Für diesen Film (und die weiteren) Temple-Film wurde eine junge, begabte Sprecherin gesucht, die auch Gesangstalent mitbrachte. Die Wahl fiel auf die jungen Berlinerin Carmen Lahrmann, damals 10 Jahre alt. Carmen Lahrmann war zu dieser Zeit schon öfters im Rundfunk aufgetreten. Die deutsche Fassung wurde von der Tobis Melofilm im Auftrag der Deutschen Fox Filmgesellschaft durchgeführt. Für das deutsche Buch bzw. die deutsche Dialogregie könnten Richard Busch (Buch) und Reinhard W. Noack (Regie) verantwortlich gewesen sein. Diese bewährte „Synchron-Team“ hat damals vor allem auch für die Fox viele Filme eingedeutscht.

US-Trailer

Carmen Lahrmann singt auf Schallplatte „Wenn ich erst komm“ aus dem Film „Lockenköpfchen“

 

 

Shirley Temple- Kinderstar der 1930er Jahre

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Shirley Temple 1938 mit der damaligen „First Lady“, Eleanor Roosevelt

Shirley Temple, geboren am 23.04.1928 als Shirley Jane Temple Black, gehörte zu den berühmtesten Kinderstars der Filmgeschichte. Bereits mit 3 Jahren wurde sie von ihren Eltern in eine Tanzschule geschickt; dabei wurde sie von dem Regisseur Charles Lamont für den Film entdeckt. Aufgrund ihres Talents gab es in jedem ihrer Filme auch immer Tanz- und Gesangseinlagen. Ab 1932 war die damals Vierjährige dann in Kinofilmen zu sehen; der große Durchbruch kam dann 1934 mit dem Film „Shirley’s großes Spiel/ Baby take a Bow“, eine Fox-Produktion, der im gleichen Jahr auch in Deutschland anlief. Im gleichen Jahr drehte Temple auch zwei Filme für die Paramount, von denen „Treffpunkt Paris/ Now and Forever“ ebenfalls auf die deutschen Leinwände kam- allerdings erst 1937, als das junge Mädchen auch in Deutschland schon ein Star war. Ab 1935 folgte dann ein Filmhit nach dem anderen: „Shirley ahoi!“, „Sonnenscheinchen“ oder „Heidi“. Von 1935 bis 1938 war Shirley Temple der größte Kassenstar der Fox. Diese war 1935 finanziell praktisch am Ende. Sie fusionierte im gleichen Jahr mit der 20th Century Filmgesellschaft. Es waren vor allem die Filmhits des Kinderstars, der der neuen Filmgesellschaft Auftrieb gab. Ihre letzten Erfolge hatte sie 1939: ihr erster Farbfilm, „Die kleine Prinzessin“, war die teuerste Fox-Produktion mit Shirley Temple. Dieser Film lief übrigens nicht vor dem zweiten Weltkrieg in Deutschland und hatte erst im Rahmen einer ZDF-Reihe 1976 seine deutsche Erstaufführung. Ihr nächster Film, „Fräulein Winnetou“, hatte am 28.11.1939 seine Deutschland-Premiere in Kiel (Berlin: 09.01.1940) und war der letzte Shirley-Temple-Film, der in Nazi-Deutschland noch in die Kinos kam. 1939 war ein entscheidendes Jahr für die Karriere des Kinderstars. MGM wollte Shirley für die Prestigeproduktion „The Wizard of Oz/ Das zauberhafte Land (dt. Titel heute: Der Zauberer von Oz)“ ausleihen- doch die Fox ließ den Kassenstar nicht gehen. Stattdessen sollte sie für die Fox 1940 „The blue Bird“ drehen, doch der Film floppte an den Kinokassen. Auch ihre weiteren Fox-Produktionen wurden keine Hits, so dass Shirley Temple die Fox verließ und für MGM bzw. United Artists drehte. Bis 1949 drehte Temple noch weitere Filme, von denen nur „Als Du Abschied nahmst“ (1944), die Komödie „So einfach ist die Liebe nicht“ (1947) und der John-Ford-Western „Bis zum letzten Mann“ (1948, mit Shirley Temple als Tochter von Henry Fonda) erwähnenswert sind. Mit ihrer Schauspielerkarriere unzufrieden beendete Shirley Temple im Alter von 21 Jahren ihre Filmkarriere. Später wandte sie sich erfolgreich der Politik zu. Sie war Mitglied der Republikanischen Partei und als US-Botschafterin bei der UNO, in Ghana und der Tschechoslowakei tätig. Shirley Temple war von 1945 bis 1950 mit dem Kollegen John Agar verheiratet (die beiden sind zusammen in „Bis zum letzten Mann“ zu sehen), ab 1950 bis zu dessen Tod 2005 mit Charles Alden Black. Shirley Temple starb am 10. Februar 2014 an den Folgen der Lungenkrankheit COPD.

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Shirley Temple 1944

Wie schon weiter oben erwähnt, waren die Temple-Filme auch in Deutschland sehr erfolgreich. Insgesamt zehn ihrer Filme schafften es zwischen 1934 und 1940 in die deutschen Kinos. In acht dieser zehn Filme wurde sie in Deutschland von Carmen Lahrmann (*30.10.1925) synchronisiert. Carmen Lahrmann wurde von der Deutschen Fox 1936 als Synchronstimme ausgewählt. Lahrmann arbeitete schon seit 1935 beim Rundfunk. Carmen Lahrmann sprach (und sang) nicht nur für Shirley Temple, sondern es wurden auch Schallplatten mit ihren Liedern herausgebracht. Dies waren allerdings keine Auskopplungen aus den Filmen, sondern eigens für die Platte herausgebrachte Gesangsnummern. Und auch der deutsche Film rief nach Carmen Lahrmann: 1937 drehte sie den Film „Monika“ (mit Maria Andergast und Ivan Petrovich in weiteren Hauptrollen). Der Streifen wurde allerdings kein Erfolg; die Filmkarriere von Carmen Lahrmann fand somit ein rasches Ende. Im Herbst 1939 synchronisierte sie dann ein letztes Mal Shirley Temple („Fräulein Winnetou“). Während des Krieges war sie dann bei der Truppenbetreuung tätig; ein Comebackversuch in den 1950er Jahren scheiterte. Sie war dann in verschiedenen Berufen tätig (Kassiererin beim Kino, Angestellte bei einer Luftfahrtgesellschaft, Erzieherin). Die heute 90jährige Carmen Lahrmann ist übrigens einer der letzten noch lebenden Zeitzeugen der frühen Synchronphase in Deutschland.

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Carmen Lahrmann

Nach dem Krieg lief keiner der frühen Shirley-Temple-Filme mehr in den deutschen Kinos. Das ZDF erinnerte sich 1976 an den Kinderstar und brachte in einer kleinen Reihe noch einmal fünf ihrer Filme auf die Mattscheibe, darunter „Die kleine Prinzessin“ in deutscher Erstaufführung. Die übrigen („Rekrut Willie Winkie“, „Der kleinste Rebell“, „Fräulein Winnetou“)  wurden wie „Die kleine Prinzessin“ im Auftrag des ZDF bei der Alster-Film in Hamburg neu synchronisiert, wobei hier Madeleine Stolze Shirley Temple sprach. Der fünfte Film der Reihe, „So einfach ist die Liebe nicht“ lief der alten Kinosynchronfassung von 1949 (Temples Sprecherin: Gina Presgott). Glücklicherweise wurde im Juni 2016 der Shirley-Temple-Film „Shirley Ahoi!“ mit der Synchronfassung von 1936 auf DVD herausgebracht; so hat auch der Zuschauer von heute noch einmal die Gelegenheit, die Kombination Shirley Temple/ Carmen Lahrmann zu erleben.

 Carmen Lahrmann singt „Seefischball“, Schallplattenaufnahme (nachgesungen aus dem Film „Shirley Ahoi!“, 1936)

 Nachcolorierter Filmausschnitt aus der Originalversion „Captain January“ („Shirley Ahoi!“, 1936)

Die Shirley-Temple-Filme in Deutschland (1934 bis 1939/40):

Dt. Titel (US-Titel, Drehjahr) – Dt. Erstaufführung – Dt. Synchronstimme

  • Shirley’s großes Spiel (Baby Takes a Bow, 1934) –  1934  – ?
  • Lockenköpfchen (Curly Top, 1935) – 09.03.1936 – Carmen Lahrmann
  • Der kleinste Rebell (The Littlest Rebel, 1935) – 26.06.1936 – Carmen Lahrmann
  • Shirley Ahoi! (Captain January, 1936) – 12.09.1936 – Carmen Lahrmann
  • Sonnenscheinchen (Stowaway, 1935) – 29.04.1937 – Carmen Lahrmann
  • Treffpunkt Paris (Now and Forever, 1934) – 12.05.1937 – Georgina Presebock*
  • Rekrut Willie Winkie (Wee Willie Winkie, 1937) – 29.12.1937 – Carmen Lahrmann
  • Shirley auf Welle 303 (Rebecca of Sunnybrook Farm, 1937) – 26.08.1938 – Carmen Lahrmann
  • Heidi (Heidi, 1937) – 13.12.1938 – Carmen Lahrmann
  • Fräulein Winnetou (Susannah of the Mounties, 1939) – 28.11.1939 – Carmen Lahrmann

*möglicherweise ist das Gina Presgott