Bengasi- Das Schicksal einer Stadt (I 1942 -DF 1943)

Bengasi2

Bengasi- Das Schicksal einer Stadt
Originaltitel: Bengasi
Produktion: Film Bassoli, I, 1942
Regie: Augusto Genina
Deutsche Fassung: Lüdtke & Rohnstein, Berlin, hergestellt im März/April 1943
Dialogregie: Dr. Konrad P. Rohnstein
Dialogbuch: Georg Rothkegel
Tonsystem: RCA-Photophone (I) – Tobis/Klangfilm (D)
Deutscher Verleih (geplant): DiFu – Deutsch-Italienische Film-Union
Deutsche Erstaufführung:  keine

Rolle- DarstellerDeutsche Stimme:

Hauptmann Enrico Berti  – Fosco Giachetti       Paul Klinger
Carla Berti                            – Maria von TasnadyViktoria von Ballasko
Filippo Colleoni                   – Amedeo Nazzari     Carl-Heinz Schroth
Giuliana                                – Vivi Gioi                   Lu Säuberlich
Bürgermeister                     – Guido Notari           Werner Schott
Dr. Malpini                           – Leo Garavaglia       Alfred Haase
Fanny                                    – Laura Redi               Gerda Maria Terno
Antonio                                 – Fedele Gentile         Peter Mosbacher
Mutter                                   – Amelia Bissi             Margarethe Kupfer
Hauptmann Marchi            – Carlo Duse               Herbert Gernot

weitere Synchronsprecher: Christian Gollong („Funker des Geheimsenders“), Curt Ackermann („LKW-Fahrer“), Hanns Eggerth, Erich Dunskus

Inhalt:

Anfang 1941 wird die libysche Hafenstadt Bengasi von den Engländern eingenommen. Die italienischen Verteidiger, u.a. Hauptmann Berti, der dabei einen Arm verliert, müssen sich zurückziehen. Die britischen Besatzer, meist betrunken, erweisen sich als üble Besatzer. Als Berti zu seiner Familie zurückkehrt, muss er feststellen, dass sein kleiner Sohn bei einem britischen Bomberangriff ums Leben gekommen ist. Inzwischen ist das deutsche Afrikakorps dem italienischen Bundesgenossen zu Hilfe gekommen. Gemeinsam befreien Deutsche und Italiener Bengasi- begeistert von der Zivilbevölkerung empfangen.

Anmerkungen:

Die oben angezeigte Werbeanzeige für „Bengasi“ erschien am 3. März 1943 in der letzten Ausgabe der „Filmwelt“ (aufgrund der Kriegslage wurden die illustrierten Zeitschriften damals eingestellt). Zu diesem Zeitpunkt begannen die Sprachaufnahmen für die deutsche Synchronfassung. Als diese beendet waren und der Film dann in die Kinos kommen sollte, war der Streifen durch die Kriegslage schon überholt. Die deutsche Heeresgruppe Afrika kapitulierte am 12. und 13. Mai 1943 in Tunesien. Somit kam der Film gar nicht mehr zum Einsatz.
Die ungarische Hauptdarstellerin Maria von Tasnady, drehte bis Ende der 1930er Jahre vor allem in Deutschland, danach in ihrer Heimat Ungarn und in Italien. 1948 verließ sie Ungarn, ab 1954 lebte sie in Deutschland, wo sie noch gelegentlich in Kinofilmen mitspielte.
Paul Klinger sprach Fosco Giachetti auch in „Alakazar“.

 

Advertisements

Hoheit tanzt inkognito (USA 1937 – DF 1938)

hoheit tanzt inkognito-Rosalie_poster

Original-Filmplakat

Hoheit tanzt inkognito
Originaltitel: Rosalie
Produktion: MGM, USA, 1937
Regie: W.S. van Dyke
Deutsche Fassung: MGM Synchronabteilung, Berlin
Sprachaufnahmen: Juni 1938
Dialogregie: ?
Dialogbuch: ?
Tonsystem: Western Electric (USA) – Tobis/Klangfilm (D)
Deutscher Verleih: MGM, Berlin
Deutsche Erstaufführung:  28.07.1938 – Berliner EA: 19.12.1938 (Marmorhaus)

Rolle- DarstellerDeutsche Stimme:

Dick Thorpe                – Nelson Eddy               Wilhelm Borchert
Rosalie                         – Eleanor Powell           Lu Säuberlich
Der König                    – Frank Morgan            Harry Liedtke

Inhalt:

Der West-Point Kadett Dick Thorpe verliebt sich in die Studentin Rosalie. Doch die stellt sich als Prinzessin eines europäischen Königreiches heraus. Dick will die Hoffnung auf Rosalie schon aufgeben, doch das Schicksal will es anders.

Anmerkungen:

Eleanor Powell (1912-1982), war in jenen Jahren eine der beliebtesten Tänzerinnen und Schauspielerinnen in den USA. Ihr erster Erfolg war „Broadway-Melodie“ (1936). Es folgten Filme wie „Zum Tanzen geboren“, „Broadway Melodie 1938“ und „Südsee-Nächte“ (1939). All diese Filme liefen auch im damaligen Deutschen Reich. Bis auf den ersten wurde Powell in allen anderen Filmen von Lu Säuberlich (1911-1976) synchronisiert. Für Ernst-Wilhelm Borchert dürfte dies eine der ersten Synchronhauptrollen gewesen sein. Borchert war ab der 1950er Jahre einer der am häufigsten eingesetzten Synchronschauspieler (Henry Fonda, Alan Ladd, Johnny Weissmüller, William Holden, Richard Widmark, Charlton Heston, Alec Guinness….)

Der Werkpilot (USA 1938 – DF 1938)

werkpilot
US-Filmplakat

Der Werkpilot
Originaltitel: Test Pilot
weitere Titel: Der Testpilot (TV-Titel Nachkrieg)
Produktion: MGM, 1938
Regie: Victor Fleming
Deutsche Fassung: MGM Synchronabteilung, Berlin (Synchronaufnahmen August 1938)
Dialogregie: Karl-Heinz Stroux
Dialogbuch: Hermann Gressieker
Tonsystem: Western Electric (USA) – Tobis-Klangfilm (D)
Deutscher Verleih:  MGM Filmverleih, Berlin
Deutsche Erstaufführung:  19.08.1938, Berlin (Capitol, OmU)

Der Film wurde 1990 fürs TV neu synchronisiert: mit Norbert Langer (Gable), Monika Barth (Loy) und Horst Schön (Tracy).

Rolle- DarstellerDeutsche Stimme:

Jim Lane                                 – Clark Gable               Gustav Knuth
Ann Barton                            – Myrna Loy                 Ruth Hellberg
Gunner Morse                       – Spencer Tracy          René Deltgen
Howard B. Drake                  – Lionel Barrymore   Franz Weber
General Ross                          – Samuel S. Hinds     Herbert Gernot
Landlady                                 – Marjorie Main          Roma Bahn
Joe                                             – Ted Pearson              Kurt Meisel
May Benson                           – Gloria Holden           Alice Treff

weitere Synchronsprecherin: Lu Säuberlich („Klara“)

Inhalt:

Testpilot Jim Lane muss auf einer Farm in Texas notlanden. Dort lebt Ann Barton, die sich sofort in Jim verliebt. Schon am nächsten Tag heiraten die beiden. Doch dann muss Ann erkennen, welch gefährlichen Beruf Jim ausübt. Sie fügt sich aber und schwört Jims bestem Freund, dem Mechaniker Gunner Morse, dass sie immer Jim beistehen wird. Dann sollen Jim und Gunner einen neuen Bomber testen. Statt Bomben wird das Flugzeug mit Sandsäcken beladen. Die Maschine gerät ins Trubeln und die Sandsäcke begraben Gunner unter sich. Jim will seinen besten Freund nicht alleine lassen und springt nicht mit dem Fallschirm ab. Es gelingt ihm zu landen, doch für Gunner kommt jede Hilfe zu spät. Jim gibt seinen Beruf auf und kehrt zu Ann zurück.

Anmerkungen:

Der vorletzte Clark-Gable-Film, der in Nazi-Deutschland angelaufen ist. Für Gable ist diesmal nicht Siegfried Schürenberg als Synchronstimme im Einsatz (vermutlich war er wg. anderer Verpflichtungen nicht abkömmlich). So hörten die Kinozuschauer damals Gustav Knuth, der damals am Beginn seiner Kinolaufbahn stand. Allzu oft ist Knuth nicht im Synchronatelier im Einsatz gewesen; nach jetzigem Stand ist noch ein Einsatz für Robert Taylor in „Ein Lausbub aus Amerika“ (ebenfalls 1938) bekannt.

knuth-gustavhellberg_2deltgen-rene
Die deutschen Stimmen der Hauptdarsteller: Gustav Knuth, Ruth Hellberg, René Deltgen

Herz in Gefahr (HUN 1941 – DF 1942)

Herz in Gefahr - 1942

Herz in Gefahr
Originaltitel: Lángok
Produktion: Takacs,Ungarn, 1941
Regie: Laszlo Kalmar
Deutsche Fassung: Lüdtke & Dr. Rohnstein, Berlin
Produktionsleitung: Dr. Konrad P. Rohnstein
Dialogregie: Hanns Eggerth
Dialogbuch: Hanns Eggerth, Alfred Haase
Tonsystem: Tobis-Klangfilm (HUN & D)
Deutscher Verleih:  Regionalverleihe (Urban/ Pfeiffer/ Deutschland/ Südost)
Deutsche Erstaufführung:  16.01.1943, Berlin (Astor)

Rolle- DarstellerDeutsche Stimme:

Peter Matrai              – Paul (=Pál) Jávor                       Claus Clausen
Barbara Bogati         – Maria Mezei                                Lu Säuberlich
Gabor Bogati             – Franz (=Ferenc) Kiss               Alfred Haase
Eva                               – Valéria Hidvéghy                       – Käthe Vanden

Inhalt:

Die verheiratete Barbara verliebt sich in den Künstler Peter Matrai. Bald steht sie vor der Entscheidung Ehemann oder Geliebter…ihr Stieftochter Eva wendet alles zum Guten.

Anmerkungen:

Ein weiterer ungarischer Film, der während des Krieges in Deutschland zur Aufführung kam. Der Hauptdarsteller Pál Jávor (1902-1959), dessen Name in Deutschland in „Paul Javor“ eingedeutscht wurde, spielte zwischen 1937 und 1939 in vier deutschen Spielfilmen mit. In „Sein Modell“ (1937) war er der Ehemann von Camilla Horn. In der deutsch/österreichisch/ ungarischen Coproduktion „Ihr Leibhusar“ wirbt er als fescher Husar um die Gunst Magda Schneiders. In „Donauschiffer“ (1939) ist er der Rivale Attila Hörbigers um die Liebe der jungen Sängerin Hilde Krahl. In den 1930er bis Mitte der 1940er Jahre gilt er als größter ungarischer Filmstar und umjubelter Frauenschwarm. Gegen Kriegsende gerät er aufgrund kritischer Kommentare in Visier der Gestapo. Er wird verhaftet und eingekerkert. Nach dem Krieg findet er sich im Ungarn des heraufkommenden Kommunismus nicht mehr zurecht und geht in die USA. Dort spielt er Theater vor allem für Emigranten. Aber auch hier hat er Probleme, Alkohol und Krankheiten machen ihm zu schaffen. 1957 kehrt er nach Ungarn zurück, wo er 1959 im Alter von nur 57 Jahren stirbt.

Jávor_Pál_(1941)
Pál Jávor (1941) Foto: wikipedia

 

Todfeinde (I 1941 – DF 1942)

Todfeinde

Todfeinde
Originaltitel: Giuliano de Medici
Produktion: S.O.L., Italien, 1941
Regie: Ladislao Vajda
Deutsche Fassung: Lüdtke & Dr. Rohnstein, Berlin
Dialogregie: Reinhard W. Noack
Dialogbuch: Reinhard W. Noack
Tonsystem: RCA-Photophone (I) – Tobis-Klangfilm (D)
Deutscher Verleih:  DiFU – Deutsch-Italienische Film-Union
Deutsche Erstaufführung:  15.04.1942

Rolle- DarstellerDeutsche Stimme:

Giuliano de Medici         – Leonardo Cortese       Will Quadflieg
Franceschino de Pazzi  – Osvaldo Valenti           Hannsgeorg Laubenthal
Fioretta                             – Conchita Montenegro Lu Säuberlich
Goro                                   – Juan de Landa               Walter Werner
Lorenzo de Medici         – Carlo Tamberlani         Werner Pledath
Jacopo de Pazzi               – Luis Hurtado                  Wolf Trutz
Madonna Violante         – Laura Nucci                     Käthe Haack
Volpino                              – Paolo Stoppa                 Karl Meixner

weiterer Synchronsprecher: Christian Gollong

Inhalt:

Florenz im Mittelalter. Zwischen dem gibellinischen Patriziergeschlecht der Pozzi und den einflussreichen und  mächtigen Medici kommt es zu Auseinandersetzungen. Mittendrin: Giuliano, Franceschino und Fioretta.

Anmerkungen:

In Deutschland wurde der Name des Regisseurs Ladislao Vajda nicht genannt; stattdessen wurde Drehbuchautor Andrea Robilant als Regisseur geführt. Ladislao Vajda (eigentlich Laszlo Vajda, 1905-1965) wurde geboren in Budapest, das damals zur K.u.K. Monarchie Österreich-Ungarn gehörte. Sein Filmhandwerk lernte er in Budapest und Berlin. Doch schon 1933 verließ Vajda, angewidert vom Nazi-Regime, Deutschland und ging zunächst nach Ungarn zurück. Nachdem der ungarische Machthaber, der „Reichsverweser“ Admiral Horthy, 1939 dort auch die Nürnberger Rassegesetze eingesetzt hatte, musste Vajda sein Heimatland verlassen und ging nach Italien. Im Krieg ging Vajda von Italien nach Spanien, das ihm sicherer erschien. Seinen wohl bekanntesten Film drehte Vajda dann 1958: „Es geschah am hellichten Tag“ mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle, eine schweizer-deutsch-spanische Koproduktion.
Leonardo Cortese in der Titelrolle wird in der deutschen Fassung von Will Quadflieg synchronisiert. Will Quadflieg (1914-2003) war vor allem dem Theater verbunden. Sein Filmdebüt feierte er 1938 in „Der Maulkorb“. Bis 1945 war er in rd. 10 Filmen zu sehen, darunter waren „Das Herz der Königin“ (1940, mit Zarah Leander) oder „Kora Terry“ (1941, mit Marika Rökk). Ab 1950 folgten noch einmal 9 Filme; mit dem Ärztefilm „San Salvatore“ (1955) zog er sich auf die Bühne zurück und trat noch gelegentlich im TV auf. Noch seltener als auf der Kinoleinwand war Quadflieg im Synchronstudio zu Gast; er war vor und während des Krieges u.a. in „Der Lausbub aus Amerika“ und „Nachtfalter“ zu hören.

 

Eine Dame der Gesellschaft (USA 1936 – DF 1937)

Eine Dame der Gesellschaft

Eine Dame der Gesellschaft
Originaltitel: The Last of Mrs. Cheney
Produktion: MGM, USA, 1936
Regie: Richard Boleslawski; George Fitzmaurice, Dorothy Arzner (beide ungenannt)
Deutsche Fassung: MGM Synchronabteilung, Berlin
Dialogregie: ?
Dialogbuch: ?
Tonsystem: Western Electric (USA) – Tobis-Klangfilm (D)
Deutscher Verleih: – / Österreich: MGM, Wien
Deutsche Erstaufführung: Österreich: September 1937

Rolle- DarstellerDeutsche Stimme:

Fay Cheney                – Joan Crawford              Lu Säuberlich
Charles                        – William Powell             – Siegfried Schürenberg
Lord Arthur Dilling  – Robert Montgomery  Erich Nikowitz
Lord Kelton                – Frank Morgan              Harry Liedtke
Herzogin                     – Jessie Ralph                   Margarete Kupfer
Willie Wynton           – Nigel Bruce                   Will Dohm

Inhalt:

Fay Cheney und ihr „Diener“ Charles machen während einer Atlantiküberquerung  die Bekanntschaft mit Lord Dilling und seiner Familie. Fay und Charles wollen eine berühmte Perlenkette stehlen. Doch die beiden werden von Dilling, der sich inzwischen in Fay verliebt hat, überrascht. Beide sollen der Polizei übergeben werden; doch Fay ist im Besitz eines Briefes der die „feine Gesellschaft“ schwer kompromittiert. Daraufhin bietet man Fay eine große Geldsumme an, damit der Brief verschwindet. Doch da zerreißt sie den Brief- und nimmt das Geld nicht an. Aber dafür wird sie die Ehefrau Lord Dillings.

Anmerkungen:

Der Regisseur Richard Boleslawski verstarb während der Dreharbeiten; der Film wurde zunächst von George Fitzmaurice weitergeführt, der allerdings erkrankte. Er wurde von Dorothy Arzner beendet.
Dies ist ein Beispiel für einen Film, der zwar in Deutschland synchronisiert wurde, dort aber nie gelaufen ist. MGM legte den Film 1937 zur Prüfung vor; er wurde aber von der Kontingentstelle verboten. Ein Verbotsgrund könnte in der Hauptdarstellerin Joan Crawford liegen, die sich kurz zuvor wg. „deutschfeindlichen Aussagen“ bei den braunen Machthabern unbeliebt gemacht hatte. Trotzdem wurde der Film von MGM deutsch synchronisiert, obwohl das Reichsgebiet als Absatzmarkt dadurch ausfiel. Vermutlich lief die deutsch synchronisierte Fassung nicht nur in Österreich und der Schweiz, sondern auch in Ländern wie Polen oder der Tschechoslowakei, die in der Regel nicht die US-Fassung, sondern die deutsch synchronisierte Version übernahmen, jeweils mit Untertiteln in der Landessprache unterlegt. MGM verfuhr übrigens nicht nur hier so, sondern auch bei Filmen wie der Marx-Brothers-Komödie „Ein Tag auf der Rennbahn“. Bei dem Film war von vornherein klar, dass er -aufgrund der jüdischen Hauptdarsteller- nie eine Chance hatte in Deutschland zu laufen.
Die deutsche Stimme von Frank Morgan gehört Harry Liedtke. Harry Liedtke (1882-1945) gehörte zu den großen Stummfilmstars in Deutschland. Liedtkes Filmkarriere beginnt schon 1912. Besonders in den 1920er Jahren wird er der Liebhaber und Charmeur des deutschen Stummfilms: „Die Austernprinzessin“ (1919), „Der Mann ohne Namen“ (1920/21), „Sumurun“ (1920), „Die Finanzen des Großherzogs“ (1923), „Die Försterchristel“ (1926) oder „Ich küsse Ihre Hand, Madame“ (1929- ein Film mit einer kurzen Tonfilmeinlage; Harry Liedtke singt -mit der Stimme Richard Taubers- das Titellied) wären hier zu nennen. Mit dem Aufkommen des Tonfilms beginnt sein Stern zu sinken. Es ist allerdings weniger das neue Medium, welches Liedtke zu schaffen macht. Er ist einfach für sein Rollenfach (Liebhaber, Charmeur) zu alt geworden (obwohl die damalige Presse anderes behauptet; so schreibt Siegfried Kracauer in der „Frankfurter Zeitung“ am 13.04.1931: „Harry Liedtkes Stimme trübt das Rosenrot seines Lächelns“); mit dem Übergang zu älteren Herren tut er sich schwer. Im Film kann er erst 1942 mit „Sophienlund“ (Regie: Heinz Rühmann) wieder an alte Erfolge anknüpfen. Als Synchronschauspieler hat Harry Liedtke eine besondere „Beziehung“ zum US-Kollegen Frank Morgan, dem er gleich mehrfach seine Stimme leiht. Harry Liedtke ist in erster Ehe verheiratet mit Hanne Schütt, in zweiter Ehe mit der Kollegin Käthe Dorsch (lt. Wikipedia 1920-1928; lt. Cinegraph 1920-1926). Nach einer Beziehung mit der Schauspielerin Maria Paudler heiratet er in dritter Ehe die Reinhardt-Schauspielerin Christa Tordy (= Dr. phil. Annelise Uhlhorn, 1904-1945). Liedtke lebt seit den 1920er Jahren in Bad Saarow-Pieskow, ca. 70 km südöstlich von Berlin. Als Bad Saarow Ende April 1945 von der Roten Armee erobert wird, dringen am 28. April 1945 Rotarmisten in das Haus Harry Liedtkes ein und versuchen seine Ehefrau zu vergewaltigen. Als sich Liedtke schützend vor seine Frau stellt, wird er von den Soldaten mit einer Bierflasche erschlagen. Auch Christa Tordy wird umgebracht.

220px-Harry_Liedtke-Ross_284-1-Binder
Harry Liedtke (ca. 1922)

Alkazar (I/ESP 1940- DF 1941)

Alkazar3

Alkazar
Originaltitel: L’assedio dell‘ Alcazar
Produktion: Film Bassoli, Ulargui Films, I/ESP, 1940
Regie: Augusto Genina
Deutsche Fassung: Lüdtke & Rohnstein, Berlin
Dialogregie: Kurt Werther
Dialogbuch: Georg Rothkegel
Tonmeister: Oscar Haarbrandt, Hermann Birkhofer
Tonsystem: RCA-Photophone (I) – Tobis/Klangfilm (D)
Deutscher Verleih: DiFu – Deutsch-Italienische Film-Union
Deutsche Erstaufführung:  30.09.1941

Rolle- DarstellerDeutsche Stimme:
Hauptmann Vela                    – Fosco Giachetti                –  Paul Klinger
Carmen Herrera                     – Mireille Balin                    –  Lu Säuberlich
Conchita Alvarez                    – Maria Denis                       –  Ruth Hellberg
Oberst Moscado                      – Rafael Calvo                     Walter Werner
Francisco                                   – Aldo Fiorelli                     Harry Giese
Pedro                                          – Andrea Checci                 Claus Clausen
Hauptmann Vincenzo Alba – Carlo Tamberlani           Fritz Ley
Pablo Montez                          – Silvio Bagolini                   Rudolf Schündler
Major Vilanova                       – Guido Notari                     Werner Scharf
Politischer Kommissar         – Guillermo Sinaz               Paul Dahlke
Republikanischer General   – Giovanni dai Cortivo      Alfred Haase
Moscardos Sohn                      – Carlos Munoz                   Siegfried Droste
Major Ratto                               – Carlo Duse                        Herbert Gernot
Funker                                        – Checco Rissone               Christian Gollong
Chef der Miliz                          – Ciro Berardi                      Erich Dunskus

weitere Synchronsprecher: Charlotte Radspieler, Käthe Vander, Käte Merk

Der Film kam 1955 in neu geschnittener und neu synchronisierter Fassung unter dem Titel „Kampf um den Alkazar“ neu heraus. Es sprachen: Wolfgang Lukschy (Giachetti), Marion Degler (Balin), Maria Körber (Denis), Walther Suessenguth (Calvo), Eckart Dux (Fiorelli). Alfred Haase sprach die gleiche Rolle wie 1941. Deutsche Fassung: UFA, Dialogbuch und -Regie: Karlheinz Brunnemann.

Inhalt:

1936. Die republikanischen Truppen belagern die Militärfestung Alkazar  in Toledo, die von einer kleinen Zahl von Franco-treuen Truppen verteidigt wird. Unter großen Verlusten gelingt es den Verteidigern, die Festung zu halten, bis die Franco-Truppen den Alkazar entsetzen können.

Anmerkungen:

Einer jener italienischen Filme, die den Heldenkampf der Franco-Truppen herausstellen und die republikanischen Truppen als marodierende Banden zeigen, die auch vor Mord an Kindern, Frauen und anderen Zivilisten nicht zurückschrecken (wobei es dabei an ein Wunder grenzt, das diese Mörderbanden die Francotruppen überhaupt in Bedrängnis bringen…). Fosco Giachetti in einer der für ihn typischen Rollen als heroischer Offizier.

In der deutschen Fassung sollte Fosco Giachetti ursprünglich von Werner Schott gesprochen worden, so war jedenfalls in einem großen Bericht der Zeitschrift „Mein Film“ zu lesen. Es muss dann aber zu einer Umbesetzung der Rolle gekommen sein, denn letztendlich wurde Giachetti von Paul Klinger synchronisiert. Klinger sprach Giachetti übrigens auch in „Bengasi- Schicksal einer Stadt“.

Alkazar- Synchronisation Filmwelt -21-1941-b
„Alkazar“ wurde nach dem „Rhythmografie“-Verfahren synchronisiert. Unter dem Filmausschnitt läuft ein Laufband mit den Dialogen.

Karawane (I 1942 – DF 1943)

Karawane1942-2

Karawane
Originaltitel: Una signora dell’ovest
Produktion: Scalera Films, Italien, 1942
Regie: Carl Koch
Deutsche Fassung: Lüdtke & Dr. Rohnstein, Berlin
Dialogregie: Kurt Werther
Dialogbuch: Georg Rothkegel
Tonsystem: RCA-Photophone (I) – Tobis/Klangfilm (D)
Deutscher Verleih: DiFu – Deutsch-Italienische Film-Union
Deutsche Erstaufführung:  März 1943

Rolle- DarstellerDeutsche Stimme:

Carras                                 – Michel Simon                Walther Suessenguth
Arianna                              – Isa Pola                            Lu Säuberlich
Manuel                               – Rossano Brazzi              Harry Giese
Juanita                                – Valentina Cortese        Erika Goerner
Diego                                   – Renzo Merusi                Eduard Wesener
Palomo                                – Carlo Duse                     Christian Gollong
Miguel                                 – Nicola Bressan              Werner Scharf
Quebrada                            – Cesare Fantoni              Hanns Eggerth
Weiterer Synchronsprecher: Alfred Haase

Inhalt:

Arianna ist Schauspielerin einer Varietétruppe und mit ihrem Kollegen Diego unterwegs im Westen auf der Suche nach Engagements. Sie nehmen an einem Wagenzug teil, der vom reichen Rancher Manuel finanziert wird. Der Leiter des Trupps bringt sie zum Großgrundbesitzer Carras, der ihnen eine alte verlassene Mine überlässt. Carras verfolgt jedoch ganz andere Interessen; er tötet Diego und lenkt den Verdacht auf Manuel, außerdem umgarnt er Arianna, die, ohne von seinen Machenschaften zu ahnen, seiner Werbung nachgibt. Als sie nach Jahren von der Wahrheit erfährt, macht sie sich auf der Suche nach Manuel. Der hat in der Zwischenzeit geheiratet; Arianna wird ihr Leben in Einsamkeit weiterführen.

Anmerkungen:

Ein Western made in Italy- also ein Vorgänger der Italo-Western? Nicht ganz- obwohl Michel Simon -mit wildem Rauschebart- einen fiesen Großgrundbesitzer darstellt, der weder vor Mord noch vor Betrug zurückschreckt, ist der Film mehr ein Melodram- mit ein paar Actionsequenzen. Regisseur Carl Koch (1892-1963) war Deutscher; Ehemann der (Scherenschnitt-)Trickfilmerin Lotte Reiniger („Die Abenteuer des Prinzen Achmed“, 1926). Koch fungierte bei diesem Film als Kameramann.  Nach dem Machtantritt der Nazis gingen Reiniger und Koch nach Frankreich, England und dann nach Italien, wo Koch zwei Filme als Regisseur drehte. Von 1943 bis zum Kriegsende lebte das Ehepaar dann in Berlin. Nach dem Krieg gingen die beiden nach London.
Die deutsche Fassung wurde -wie so viele italienische Filme jener Jahre- bei Lüdtke und Rohnstein in Berlin hergestellt.

Broadway-Melodie 1938 (USA 1937- DF 1938)

Broadway Melodie 1938

Broadway-Melodie 1938
Originaltitel: Broadway-Melody of 1938
Produktion: MGM, USA, 1937
Regie: Roy del Ruth
Deutsche Fassung: MGM Synchronabteilung, Berlin
Dialogregie: ?
Dialogbuch: ?
Tonsystem: Western Electric (USA) – Tobis/Klangfilm (D)
Deutscher Verleih: MGM, Berlin
Deutsche Erstaufführung: 11.04.1938, Berlin (Marmorhaus)

Rolle- DarstellerDeutsche Stimme:

Steve Raleigh              – Robert Taylor                     Arthur Schröder
Sally Lee                       – Eleanor Powell                   Lu Säuberlich
Sonny Ledford            – George Murphy                  Kurt Meisel
Caroline                        – Binnie Barnes                     Flockina von Platen
Peter                              – Buddy Ebsen                        Clemens Hasse
Alice Clayton               – Sophie Tucker                     Trude Hesterberg
Betty Clayton              – Judy Garland                        Herti Kirchner
Nicki                              – Charles Igor Gorin              Erich Fiedler
Herman                        – Raymond Walborn               Georg Alexander
Duffy                             – Robert Benchley                  Wilfried Seyferth
Kellner                          – Willie Howard                      Fritz Claudius
James K. Blakely        – Charley Grapewin               Franz Weber
Schnüffel                      – Robert Wildhack                 Wolf Trutz
George                           – Billy Gilbert                            Will Dohm
Jerry Mason                  – Barnett Parker                     Hubert von Meyerinck
Emma Snipe                – Helen Troy                             Erika Helmke

Vermutlich wurden auch hier die Rollennamen teilweise in der deutschen Fassung geändert. Der Film wurde für das TV neu synchronisiert; hier sprach Bodo Wolf für Robert Taylor.

Inhalt:

Die junge Pferdetrainerin Sally freundet sich mit  Sonny und Peter an, die ein Pferd nach New York bringen sollen. Sally reist mit den beiden und dem Pferd nach New York. Dabei trifft sie auf die Talentsucher Steve, der Sally zu einem großen Revuestar macht.

Anmerkungen:

Auch „Broadway-Melodie 1938“ zählte zu den großen Kassenerfolgen von MGM in Deutschland. Bei der Synchronbesetzung gab es keinerlei Kontinuität gegenüber „Broadway-Melodie“.