Tat ohne Zeugen (I 1939 – DF 1940)

Tat ohne Zeugen
Originaltitel: Il fornaretto di Venezia
Produktion: ViVa,  Italien, 1939
Regie: John Bard (= Duilio Coletti)
Deutsche Fassung: Lüdtke & Dr. Rohnstein, Berlin
Dialogregie: Dr. Konrad P. Rohnstein
Dialogbuch: Georg Rothkegel
Tonsystem: RCA-Photophone (I) – Tobis-Klangfilm (D)
Deutscher Verleih: DiFu- Deutsch-Italienische Film-Union
Deutsche Erstaufführung:  30.10.1940

Rolle- DarstellerDeutsche Stimme:

Lorenzo Loredano, Inquisator  – Enrico Glori                 Alfred Haase
Elena Loredano                              – Letizia Bonini             Margarete Schön
Piero Tasca, Bäckergeselle         – Roberto Villa                – Wolfgang Staudte
Annetta, seine Braut                    – Elsa de Giorgi               Käthe Vanden
Olimpia Zeno                                  – Clara Calamai             Edyth Edwards
Alvise Duodo                                   – Osvaldo Valenti          Claus Clausen
Vater Tasca                                      – Gero Zambuto             C.W. Burg
Mocenigo                                          – Carlo Tamberlani      Werner Schott
Barrabas                                            – Cesare Polaccio           Herbert Gernot

Inhalt:

Im Mittelalter. Der Inquisator Loredano hat ein Auge auf die hübsche Olimpia geworfen. Das missfällt seiner Gattin Elena, die sich wiederum mit ihrem Cousin Alvise vergnügt. Loredano bekommt das heraus und lässt Alvise von dem Mörder Barrabas umbringen. Der Verdacht fällt auf den Bäckergesellen Piero Tasca…

Anmerkungen:

Historienfilm, der weniger auf Action und mehr auf Intrigenspiele setzt.

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Roberto Villa

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Frau am Abgrund (I 1940 – DF 1942)

Frau am Abgrund
italienisches Filmplakat

Frau am Abgrund
Originaltitel: La Peccatrice
Produktion: Manenti Film, Italien, 1940
Regie: Amleto Palermi
Deutsche Fassung: Lüdtke & Dr. Rohnstein, Berlin
Dialogregie: Kurt Werther
Dialogbuch: Georg Rothkegl
Tonsystem: RCA-Photophone (I) – Tobis-Klangfilm (D)
Deutscher Verleih:  DiFU – Deutsch-Italienische Film-Union
Deutsche Erstaufführung:  1942

Rolle- DarstellerDeutsche Stimme:

Maria Ferrante                 – Paola Barbara               Hanne Fey
Pietro Bandelli                 – Vittorio de Sica             Harry Giese
Salvatore                           – Fosco Giachetti            Hanns Eggerth
Alberto                               – Gino Cervi                      Claus Clausen
Marias Mutter                  – Bella Starace Sainati   Margarete Kupfer
Paolo                                   – Umberto Melnati          Hugo Schrader
Andrea                                – Camillo Pilotto             Alfred Haase
Ottavio                               – Piero Carnabucci           Werner Schott
Adele                                  – Anna Maria Falchi        Margarete Schön

weiterer Synchronsprecher: Erich Dunskus

Inhalt:

Die junge Maria ist in einem Bordell gelandet. In Rückblenden erinnert sie sich, wie sie dorthin kam. Marias Freund Alberto verlässt sie, als sie schwanger wird. Sie verliert das Kind, findet Unterschlupf bei einer Bauernfamilie. Salvatore, der Bruder der Bäuerin, bedrängt sie in betrunkenem Zustand- wie muss Maria gehen. Ein kurzes Glück findet Maria bei Pietro, der jedoch mit dem Gesetz in Konflikt kommt. Sie landet in Ottavios Bordell, verlässt dieses nach einiger Zeit. Wieder trifft sie auf Pietro, sie findet Arbeit in der Firma seines Vaters. Doch auch diese muss sie nach kurzer Zeit verlassen. Zufällig trifft sie Bauer Andrea wieder, der sie für kurze Zeit aufnimmt. Am Ende kehrt Maria zu ihrer Mutter zurück.

Anmerkungen:

Paola Barbara (1912-1989) spielte auch Hauptrollen in „Kapitän Orlando“ oder „Rigoletto“ (1941, auch hier von Hanne Fey gesprochen). Über ihre Synchronstimme in diesem Film, Johanna „Hanne“ Fey ist leider nur wenig bekannt. Sie war in den Filmen „Hochzeit auf Bärenhof“ (1941), „Wir machen Musik“ (1942), „Damals“ (1942/43) und „Gefangene der Liebe“ (1954) zu sehen. Als Synchronsprecherin war sie auch bei der Continental in Paris tätig; nach dem Krieg konnte man ihre markante, tiefe Stimme auch in „Rebecca“ (1940, Deutsche Fassung 1951) hören. Hanne Fey wurde 1907 geboren und starb im Alter von nur 49 Jahren im Jahr 1957.

Frau am Abgrund 2
Szenenfoto mit Paola Barbara und Vittorio de Sica

hanne fey - wir machen musik
Hanne Fey

 

 

Heimatlos (F 1934 – DF 1936)

heimatlos- frankreichfranz. Kinowerbung

Heimatlos
Originaltitel: Sans famille
Produktion: Société Agatos, Frankreich, 1934
Regie: Marc Allegret
Deutsche Fassung: Lüdtke, Dr. Rohnstein & Co., Berlin
Gesamtleitung: Dr. Konrad P. Rohnstein 
Dialogregie:
 Kurt Werther
Dialogbuch: ?
Dt. Liedertexte: Wolfgang Böttcher
Tonsystem: Tobis-Klangfilm (D)
Deutscher Verleih:  ?
Deutsche Erstaufführung:  Anfang 1936

Rolle- DarstellerDeutsche Stimme:

Rémy                                   – Robert Lynen                 Horst Teetzmann
Vitalis                                 – Vanni Marcoux               Walter Werner
James Milligan                 – Aimé Clariond               Hanns Eggerth
Mère Barberin                  – Claire Gérard                 Margarete Schön
Père Barberin                   – Georges Vitray               Erich Dunskus
Lady Milligan                   – Jeanne Bérangère          Margarete Lanner
Mattia                                 – Serge Grave                    Wolfgang Kieling

Inhalt:

Inhaltsangabe lt. Paimanns Filmlisten: „Ein Erbschleicher lässt das Söhnchen einer Witwe entführen. Der Junge kommt zu Pflegeeltern, wandert dann mit  einem Artisten durch Frankreich, schlägt sich schließlich nach London durch, wo er endlich mit seiner Mutter vereinigt wird.“

Anmerkungen:

Kritik lt. Paimann: „Die Handlung ist entwaffnend primitiv aber nicht ohne einige packende Momente und in spezifisch französischer Art etwas umständlich und mit sparsamen Dialogen inszeniert. Deren Eindeutschung ist bis auf wenige Berlinismen* gut, die Untermalungsmusik etwas vordringlich, Photographie und Ton anständig. Ein passabler Mittelfilm, der bei Familienpublikum immerhin Anklang finden mag.“
Robert Lynen (1920-1944) war in den 1930er Jahren ein beliebter Kinderstar in Frankreich. Bis 1940 war er in 12 Filmen zu sehen. Nachdem die deutsche Wehrmacht 1940 Frankreich eroberte, schloss sich Lynen der Résistance an; sporadisch wirkte er noch als Schauspieler. 1942 drehte er in Vichy-Frankreich (dem unbesetzten Teil von Frankreich) noch den Film „Cap au Large“. Am 7. Februar 1943 wurde er von der Gestapo verhaftet. Zweimal versuchte er vergeblich, aus der Gestapohaft, die auch mit Folterungen verbunden war, zu fliehen. Die Deutschen versuchten, ihn zu Mitarbeit an Continental-Filmproduktionen zu überreden- was er aber ablehnte. So wurde er im Dezember 1943 von einem deutschen Militärgericht zum Tode verurteilt. Das Todesurteil wurde am 1. April 1944 in Karlsruhe vollstreckt.

*Berlinismen war ein häufiger Kritikpunkt bei Paimann. Kritisiert wurden damit wohl vor allem Ausdrücke, die der Kritiker dem Berliner Sprachraum zugeordnet hat; mit österreichischen Synchronisationen hatte Paimann dagegen keine Probleme; obwohl der eine oder andere Sprecher durchaus „Wiener Schmäh“ in der Stimme hatte….[Anmerkung des Autors]

 

Pettersson & Bendel (SWE 1933 – DF 1938)

pettersson & bendel
schwedisches Filmplakat

Pettersson & Bendel
Originaltitel: Pettersson & Bendel
Produktion: Svensk Filmindustri; Wivefilm, Schweden, 1933
Regie: Per-Axel Branner
Deutsche Fassung: Lüdtke & Dr. Rohnstein, Berlin für Lex-Film, Berlin-Dahlem
Dialogregie: Kurt Werther
Dialogbuch: Wolfgang Böttcher
Tonsystem: Tobis-Klangfilm
Deutscher Verleih:  Hammer Tonfilm Verleih GmbH, Berlin (1935) – Tobis-Filmverleih, Berlin (1938)
Deutsche Erstaufführung: 12.07.1935 (OmU); Dezember 1938 (Synchronfassung)

Rolle- DarstellerDeutsche Stimme:

Karl-Johan Pettersson             –  Adolf Jahr                  Siegfried Schürenberg
Josef Bendel                                 – Semmy Friedman   Rudolf Schündler
Mia                                               – Birgit Sergelius        Johanna Bassermann
Elsa Wallin                                    – Isa Quensel              Alexa von Porembsky
Helmer                                           – Helge Hagerman     Wolfgang Staudte
Tante Lindström                         – Viran Rydkvist         Margarethe Schön
Agda Alvin                                    – Elsa Carlsson           Hella Graf
Nilsson                                           – Sigurd Wallén         Alfred Haase
Sander, Kriminalbeamter        – Thor ChristiernssonErich Dunskus
Johannsson, Kriminalbeamter – Harald Wehnor    C.W. Burg
Anrufer vom Gesundheitsamt – Sven-Eric WigrenErich Dunskus

Inhalt:

Stockholm, Hafen. Ein blinder Passagier jüdischen Aussehens, der sich „Josef Bendel“ nennt, trifft den arbeitslosen Schweden Karl-Johan Pettersson. Bendel gelingt es, Pettersson zu dubiosen Geschäften zu überreden. Tatsächlich stellt sich bald Erfolg ein, die beiden werden reich. Doch Bendel kann nicht genug bekommen. Um an weiteres Geld zu kommen, soll sich Pettersson von seiner Verlobten Mia trennen und sich mit der reichen Agda Alvin verloben. Als Pettersson sich weigert, hintertreibt Bendel das Verhältnis zu Mia. Doch Bendels Intrige fliegt auf- genauso wie seine dubiosen Geschäfte. Bendel verlässt Schweden auf dem gleichen Wege, wie er gekommen ist.

Anmerkungen:

Ein antisemitischer Film ersten Ranges- so Recht nach dem Geschmack des Propagandaministers Goebbels. 1940 ließ Goebbels eigene anti-jüdische Filme wie „Jud Süß“, „Die Rothschilds“ und den übelsten aller Hetzfilme, die pseudo-Dokumentation „Der ewige Jude“ herstellen. „Pettersson und Bendel“ lief ab 1935 in deutschen Kinos – noch in Originalfassung mit deutschen Untertiteln- und bekam das Prädikat „staatspolitisch wertvoll“. Nach der Pogromnacht im November 1938 kam der Film kurz danach erneut in die Kinos- diesmal in synchronisierter Fassung.
Rudolf Schündler spricht die Figur des „Bendel“ mit täuschend echtem jiddischen Akzent. Johanna Bassermann (1906-1998), die die weibliche Hauptrolle spricht, wurde erst spät einem breiterem Publikum bekannt: von 1985 bis 1988 verkörperte sie in der TV-Serie „Lindenstraße“ die Figur der „Philomena Bennarsch“. Margaret(h)e Schön (1895-1985) war damals oft in Synchronrollen zu hören. Ihre bekannteste Filmrolle hatte sie beim Stummfilm: in Fritz Langs „Nibelungen“ (1922) spielte sie die „Kriemhild“. Ihre Filmkarriere ging bis in die 1950er Jahre- meist in Nebenrollen.

Natascha (F 1934 – DF 1935)

natascha
franz. Filmplakat

Natascha
Titel in Österreich: Moskauer Nächte
Originaltitel:
 La Nuits Moscovites
Produktion: GG Films, Frankreich, 1934
Regie: Alexis Granovsky
Deutsche Fassung: Lüdtke, Dr. Rohnstein & Co., Berlin
Dialogregie: Dr. Konrad P. Rohnstein, Kurt Werther
Dialogbuch: Alfred Haase
Deutsche Liedertexte: Wolfgang Böttcher
Musikalische Leitung: Fritz Wenneis
Tonmeister: Ernst Schütz
Tonschnitt: Dr. Arthur Kamps
Synchronarbeiten: März/ April 1935, JOFA-Atelier, Berlin-Johannisthal, hergestellt nach dem Rhythmografie-Verfahren
Tonsystem: Western Electric (F) – Tobis-Klangfilm (D)
Deutscher Verleih:  Regionalverleihe, u.a. Märkische Film GmbH, Frankfurt/M. (Mittel- und Süddeutschland)
Deutsche Erstaufführung:  1935

Rolle- DarstellerDeutsche Stimme:

Natascha Kovrin                        – Annabella                         – Trude Moos
Pjotr Briukoff                             – Harry Baur                       Walter Werner
Kapitän Ignatoff                        – Pierre Richard-Willm Harry Giese
Frau Kovrin                                 – Germaine Dermoz        Margarete Schön
Oberst Kovrin                             – Roger Karl                        Wolf Trutz
Kapitän Polonsky                      – Ernest Ferny                   Herbert Gernot
Anna Sablin/ Aila Tscherbat  – Spinelly                              – Til Klokow
General Molokoff                      – Paul Escoffier                 Erich Dunskus
Präsident des Kriegsgerichts – Paul Amiot                      Alfred Haase
Vertreter der Anklage              – André Carnège                Werner Schott
Lt. Petrowsky                              – Jean Heuzé                      Walter Kynast

Inhalt:

Russland, 1916. Der reiche Bauer und Kaufmann Briukoff ist mit der jungen Natascha Kovrin verlobt. Briukoff ist nicht mehr jung, aber die Familie Kovrin ist dankbar über seine Unterstützung und hat ihm die junge Tochter versprochen. Im Lazarett lernt Natascha den jungen Offizier Ignatoff kennen. Schon bald verlieben sich die beiden. Als es zu einem Zusammenstoß zwischen Ignatoff und Briukoff kommt, hält Natascha aus Pflichtgefühl zu ihrem Verlobten. Ignatoff will an die Front, doch er wird zum Generalstab versetzt. Am Kartentisch treffen sich die beiden Rivalen wieder. Ignatoff verliert und gerät finanziell in die Hände des Nebenbuhlers. Dann gerät er auch noch an die Spionin Tscherbaht. Ignatoff muss, obwohl unschuldig, vors Kriegsgericht. Nur Briukoff kennt die Wahrheit- doch wird er den Nebenbuhler retten…?

Anmerkungen:

Annabella (Suzanne Georgette Charpentier, 1907-1996) gehörte zu den beliebtesten Filmstars der 1930er Jahre. Ihren ersten Filmauftritt hatte sie schon 1927 in „Napoleon“ von Abel Gance. Ihre bekanntesten Filme im Frankreich der 1930er Jahre waren u.a. „Die Million“ (1931), „Die Schlacht“, „Fräulein Josette- meine Frau“ (beide 1933), „Natascha“ (1934) oder „Zwischen Abend und Morgen“ (1935). 1936 filmte sie in Großbritannien, danach in Hollywood. Dort hatte sie eine Affäre mit Tyrone Power, mit dem sie in „Suez“ (1939) auch auf der Leinwand zu sehen war. Die beiden heirateten 1939. Annabella zog sich von der Leinwand zurück und kehrte 1948, nach der Scheidung von Power, nach Frankreich zurück. An ihre Erfolge konnte sie allerdings nicht mehr anknüpfen.
Harry Baur (1880-1943) gehörte zu den großen Charakterschauspielern Frankreichs der 1930er und frühen 1940er Jahre. 1941 spielte er in der Continental-Produktion „Mord am Weihnachtsabend“. Zu diesem Zeitpunkt wurde er von der Vichy-Presse als angeblicher Jude und Freimaurer denunziert. Harry Baur drehte dann 1942 in Berlin den Spielfilm „Symphonie eines Lebens“; nach seiner Rückkehr nach Frankreich wurde er am 30. Mai 1942 vom Sicherheitsdienst verhaftet. Er kam am 19. September, schwer krank, aus der Haft frei. Propagandaminister Goebbels hob im Dezember 1942 das Spielverbot gegen Baur wieder auf; er sollte für Produktionen der Continental-Film zur Verfügung stehen. Doch dazu kam es nicht mehr: Harry Baur starb am 8. April 1943, vermutlich an den Folgen der Haft. Die Premiere seines letzten Films, „Symphonie eines Lebens“, am 21. April 1943 (Der Film hatte monatelang auf Eis gelegen) erlebte er nicht mehr.
Annabella wurde in den meisten ihrer Filme von Viktoria von Ballasko synchronisiert. Dies war in „Natascha“ nicht der Fall, sie wurde von Trude Moos vertreten.

Filmausschnitt (Originalversion)