Nächte in Neapel (F 1937- DF 1938)

naechte in neapel

franz. Filmplakat

Nächte in Neapel
Originaltitel: Naples au baiser defeu
Produktion: Paris Film, 1937
Regie: Augusto Genina
Deutsche Fassung: Wien-Film, Wien
Gesamtleitung und Dialogregie: Dipl. Ing. Bernhard Kulisz
Tonsystem:  RCA-Photophone (F) – Tobis-Klangfilm (D)
Deutscher Verleih:  regionale Verleiher, u.a. Märkische Tonfilm GmbH (für Mitteldeutschland)
Deutsche Erstaufführung:  28.12.1938

Die Lieder wurden in der Originalfassung belassen.

Rolle- DarstellerDeutsche Stimme:

Mario Esposito                  – Tino Rossi                      Gustav Wilfan
Peter (OF: Michel)            – Michel Simon                 Wilhelm Schich
Assunta                              – Mireille Balin                 Lisa Albert
Fotograf                             – Marcel Dalio                   Adolf Görisch
Lolita                                  – Viviane Romance           Hansi Stadler
Tante Theresa                   – Jane Loury                       Regine Hendel

Inhalt:

Der Sänger Mario singt im Restaurant von Tante Theresa und ist in deren Nichte Assunta verliebt. Er lebt zusammen mit seinem Kumpel Peter. Als Peter eines Tages die junge Lolita trifft und sich in sie verliebt, beginnen die Verwicklungen. Lolita verführt Mario und brennt mit ihm durch. Die Hochzeit von Assunta und Mario platzt. Doch Mario liebt Assunta immer noch und kehrt zu ihr zurück. Lolita hat sich längst mit einem Fotografen getröstet.

Anmerkungen:

Tino Rossi (1907-1983) gehörte zu den erfolgreichsten Sängern Frankreichs. Neben seiner Sängerkarriere drehte er auch rund 25 Spielfilme. Die deutsche Fassung wurde von der Wien-Film durchgeführt. Die Wien-Film entstand 1938 aus der Tobis-Sascha Film. Die Wien-Film produzierte vor allem Spielfilme. Die Firma bestand auch noch nach 1945, verlor aber immer mehr an Bedeutung und wurde 1985 aufgelöst. Die Nachfolgefirma arbeitet als Nachlassverwalter der alten Wien-Film. Gustav Wilfan, die deutsche Stimme von Tino Rossi, sprach auch Antonio Centa in „Die Komteß von Parma“. Hansi Stadler, Stimme der „Lolita“, arbeitete auch in Berlin. Sie war die deutsche Sprecherin von Dorothy Lamour in „Die Dschungelprinzessin“.

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Made in Austria- Synchronisation in Österreich

Ein weiteres Kapitel zum Thema „frühe Synchronisationen“ wurde in Österreich geschrieben. In der Regel liefen in Österreich die Synchronfassungen aus Deutschland. Nach der Machtergreifung der Nazis in Deutschland stellte sich aber die Frage, wie man denn die fremdsprachigen Filme dem österreichischen Publikum anbieten sollte, die nicht in Deutschland synchronisiert wurden. Denn viele Filme schafften nun die deutsche Zensur nicht mehr.  In der Regel liefen die Filme in Originalfassung mit Untertiteln- allerdings waren sie nicht übermäßig erfolgreich. Für die ausländischen Produzenten stellte sich also die Frage: den Zuschauern einen Film mit Untertiteln anzubieten: mit der Gewissheit, keinen übermäßigen wirtschaftlichen Erfolg einzufahren- oder aber eine Synchronisation für ein relativ kleines Absatzgebiet herstellen zu lassen.
Untrennbar ist das Thema Synchronisation in Österreich mit der Firma Selenophon verbunden. Die „Selenophon Licht- und Tonbildgesellschaft“ wurde 1929 in Wien von Hans Thirring und Oskar Czeija gegründet. Die Firma befasste sich vor allem mit der Entwicklung und Herstellung von Tonfilmen. Dafür meldete die Selenophon eine ganze Reihe von Patenten an. Bemerkenswert war die Tatsache, dass beim Selenophon-Tonverfahren die Tonaufzeichnung auf lichtempfindlichem Papier geschah, es war also eine Art Vorläufer des Magnettons.
Als Mitte 1930 sich die beiden Marktführer „Western-Electric“ (USA) und der deutsch-niederländische Küchenmeister-Tobis-Klangfilm-Konzern sich auf eine Aufteilung des Weltmarktes geeinigt hatten, gehörte Österreich eigentlich zum Tobis-Klangfilm-Konzern. 1932 einigten sich Selenophon und Tobis-Klangfilm auf eine Aufteilung des österreichischen Marktes; dieses Abkommen hatte die Selenophon sicher auch den guten Kontakten zur österreichischen Regierung zu verdanken. Bis 1938 stellte die Selenophon jedenfalls auch Spiel- und Kulturfilme her. Ab 1931 war die Selenophon auch für die Herstellung einer eigenen österreichischen Wochenschau verantwortlich. Mit dem Antritt der Regierung Dollfuß 1933 wurde daraus die Wochenschau „Österreich in Bild- und Ton“, die bis zum Anschluß an Hitler-Deutschland in jedem österreichischem Kino laufen musste.
Zurück zum Thema Synchronisation. Etwa ab Ende 1935 war die Selenophon nach zeitgenössischen Berichten in der Lage, technisch einwandfreie Synchronisationsarbeiten abzuliefern. So berichtete die „Österreichischen Film-Zeitung“ vom 7.02. 1936, dass eine Woche zuvor ein französischer Film in einer von der Selenophon hergestellten Eindeutschung in den Kinos angelaufen sei. Allerdings muss schon vorher in Österreich synchronisiert worden sein; der Richard-Tauber-Film „Liebeslied“ (Produktion British-International, London) lief schon 1934 in Synchronfassung. Das angegebene Tonsystem „Selenophon“ deutet auf eine Eindeutschung in Wien hin. Treibende Kraft der Selenophon-Synchronabteilung war der Dipl. Ing. Bernhard Kulisz (andere Schreibweise: Kulicz). Er war als Dialogregisseur und als Dialogautor für fast alle in Wien hergestellte Synchronarbeiten zuständig.
Mit dem Anschluss an Nazi-Deutschland endete auch die Arbeit der „Selenophon“. Der Besitzer Oskar Czeija wurde gezwungen, seine Firmenanteile an die Tobis abzugeben. Pro Forma existierte die Firma aber noch eine Weile, denn die 1939 hergestellte Synchronfassung des Films „Komtess von Parma“ führt noch die Selenophon als Synchronfirma auf. Das Ende der Selenophon bedeutete aber nicht das Ende der Synchronarbeit in Österreich. 1938 wurde die „Wien-Film“ als Nachfolger der Tobis-Sascha-Film gegründet. Die Tobis-Sascha-Film, eine deutsch-österreichische Produktionsgesellschaft,  befand sich bereits seit 1937 im Besitz der Cautio-Treuhand. Die Cautio-Treuhand war angeblich eine private Holdinggesellschaft, de facto aber direkt Propagandaminister Goebbels unterstellt. Die Cautio kaufte bereits seit 1933 Filmgesellschaften auf, mit dem Ziel, diese direkt dem Einfluss Goebbels zu unterstellen. Die Wien-Film nahm jedenfalls 1938 ihre Synchrontätigkeit auf. Auch hier war der Dipl. Ing. Bernhard Kulisz ganz maßgeblich an den Synchronarbeiten beteiligt.

maria stuart 2- huebel- kulisz
Lisbeth Hübel synchronisiert Katherine Hepburn in „Maria Stuart“ (1937). Im Hintergrund Dipl. Ing. Bernhard Kulisz, der Dialogregisseur.

maria stuart 3- huebel-brunar
Nochmals „Maria Stuart“. Es synchronisieren Lisbeth Hübel und Herbert Brunar (Sprecher für Fredric March)

komtesse von parma
Komtess(e) von Parma, 1939 deutsch synchronisiert

flucht aus san quentin 2
Anzeige in der „Österreichischen Film-Zeitung“ für den US-Film „Flucht aus San Quentin“. Besonders groß der Hinweis auf die deutsche „Dubbing“-Fassung.

Schuesse in der Wueste
„Schüsse in der Wüste“, ein italienischer Kriegsfilm aus 1937, kam 1942 in die deutschen Kinos.

 

In Österreich hergestellte Synchronfassungen (Auswahl):

  • Liebeslied/ Blossom Time (1934, Selenophon?)
  • Das Kreuz von Golgatha/ Golgotha (1936, Selenophon)
  • Maria Stuart/ Mary of Scotland (1937, Selenophon)
  • 100 Männer um ein Mädel/ One Hundred Men and One Girl (1937, Selenophon)
  • Flucht aus San Quentin/ San Quentin (1937, Selenophon)
  • Drei süße Mädels/Three Smart Girls (1937, Selenophon)
  • Skandal/ Äktenskapsleken (1937, Selenophon)
  • Nächte in Neapel/ Naples au baiser defeu (1938, Wien-Film)
  • Komtess von Parma/ La Contesse die Parma (1939, Selenophon)
  • Schüsse in der Wüste/ Sentinelle di Bronzo  (1942, Wien-Film)