Pettersson & Bendel (SWE 1933 – DF 1938)

pettersson & bendel
schwedisches Filmplakat

Pettersson & Bendel
Originaltitel: Pettersson & Bendel
Produktion: Svensk Filmindustri; Wivefilm, Schweden, 1933
Regie: Per-Axel Branner
Deutsche Fassung: Lüdtke & Dr. Rohnstein, Berlin für Lex-Film, Berlin-Dahlem
Dialogregie: Kurt Werther
Dialogbuch: Wolfgang Böttcher
Tonsystem: Tobis-Klangfilm
Deutscher Verleih:  Hammer Tonfilm Verleih GmbH, Berlin (1935) – Tobis-Filmverleih, Berlin (1938)
Deutsche Erstaufführung: 12.07.1935 (OmU); Dezember 1938 (Synchronfassung)

Rolle- DarstellerDeutsche Stimme:

Karl-Johan Pettersson             –  Adolf Jahr                  Siegfried Schürenberg
Josef Bendel                                 – Semmy Friedman   Rudolf Schündler
Mia                                               – Birgit Sergelius        Johanna Bassermann
Elsa Wallin                                    – Isa Quensel              Alexa von Porembsky
Helmer                                           – Helge Hagerman     Wolfgang Staudte
Tante Lindström                         – Viran Rydkvist         Margarethe Schön
Agda Alvin                                    – Elsa Carlsson           Hella Graf
Nilsson                                           – Sigurd Wallén         Alfred Haase
Sander, Kriminalbeamter        – Thor ChristiernssonErich Dunskus
Johannsson, Kriminalbeamter – Harald Wehnor    C.W. Burg
Anrufer vom Gesundheitsamt – Sven-Eric WigrenErich Dunskus

Inhalt:

Stockholm, Hafen. Ein blinder Passagier jüdischen Aussehens, der sich „Josef Bendel“ nennt, trifft den arbeitslosen Schweden Karl-Johan Pettersson. Bendel gelingt es, Pettersson zu dubiosen Geschäften zu überreden. Tatsächlich stellt sich bald Erfolg ein, die beiden werden reich. Doch Bendel kann nicht genug bekommen. Um an weiteres Geld zu kommen, soll sich Pettersson von seiner Verlobten Mia trennen und sich mit der reichen Agda Alvin verloben. Als Pettersson sich weigert, hintertreibt Bendel das Verhältnis zu Mia. Doch Bendels Intrige fliegt auf- genauso wie seine dubiosen Geschäfte. Bendel verlässt Schweden auf dem gleichen Wege, wie er gekommen ist.

Anmerkungen:

Ein antisemitischer Film ersten Ranges- so Recht nach dem Geschmack des Propagandaministers Goebbels. 1940 ließ Goebbels eigene anti-jüdische Filme wie „Jud Süß“, „Die Rothschilds“ und den übelsten aller Hetzfilme, die pseudo-Dokumentation „Der ewige Jude“ herstellen. „Pettersson und Bendel“ lief ab 1935 in deutschen Kinos – noch in Originalfassung mit deutschen Untertiteln- und bekam das Prädikat „staatspolitisch wertvoll“. Nach der Pogromnacht im November 1938 kam der Film kurz danach erneut in die Kinos- diesmal in synchronisierter Fassung.
Rudolf Schündler spricht die Figur des „Bendel“ mit täuschend echtem jiddischen Akzent. Johanna Bassermann (1906-1998), die die weibliche Hauptrolle spricht, wurde erst spät einem breiterem Publikum bekannt: von 1985 bis 1988 verkörperte sie in der TV-Serie „Lindenstraße“ die Figur der „Philomena Bennarsch“. Margaret(h)e Schön (1895-1985) war damals oft in Synchronrollen zu hören. Ihre bekannteste Filmrolle hatte sie beim Stummfilm: in Fritz Langs „Nibelungen“ (1922) spielte sie die „Kriemhild“. Ihre Filmkarriere ging bis in die 1950er Jahre- meist in Nebenrollen.

Meuterei auf der Bounty (USA 1935 – DF 1936)

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Meuterei auf der Bounty
Originaltitel: Mutiny on the Bounty
Produktion: MGM, USA, 1935
Regie: Frank Lloyd
Deutsche Fassung: MGM Synchronabteilung, Berlin
Dialogregie: Wilhelm Reinking
Dialogbuch: Paul Mochmann
Tonschnitt: Hans Lüdke, Heinz Haber
Tonmeister: Oskar Haarbrandt
Tonsystem: Western Electric (USA) – Tobis-Klangfilm (D)
Deutscher Verleih:  MGM, Berlin
Deutsche Erstaufführung: 08.09.1936 (OmU)

Rolle- DarstellerDeutsche Stimme:

Fletcher Christian                 – Clark Gable                 Siegfried Schürenberg
Kapitän Bligh                        – Charles Laughton        Erich Ponto
Seekadett Roger Byam         – Franchot Tone             Oskar Schättiger
Burkitt                                   – Donald Crisp                – ?
Ellison                                    – Eddie Quillan               Wolfgang Staudte
Sir Joseph Banks                    – Henry Stephenson       – ?
Lord Hood                              – David Torrence           C.W. Burg
1. Offizier Mr. Fryer               – DeWitt Jennings          Otto Henning
Kapitän Nelson                      – Francis Lister              Erich Fiedler

weitere Synchronsprecherinnen: Edith Robbers, Lia Fricke-L’Arronge

Am 05.03.1951 lief eine von der MGM neu erstellte Synchronfassung an; mit Siegfried Schürenberg (Gable), O.E. Hasse (Laughton) und Axel Monjé (Tone) in den Hauptrollen

Inhalt:

Portsmouth, 1787. Die HMS Bounty begibt sich auf eine über zweijährige Reise nach Tahiti, um von dort Brotfruchtbäume zu laden, die man als billige Nahrung für Sklaven benötigt. Das Kommando führt Kapitän Bligh, ein Mann niederer Herkunft, aber ein hervorragender Seemann, der aber für seine Brutalität bekannt ist. Einer der Offiziere ist Fletcher Christian, der um Ausgleich bemüht ist. Als einer der Seekadetten ist der junge Roger Byam an Bord, der sich bald mit Christian anfreundet. Schon vor der Abfahrt stellt sich die Brutalität Blighs heraus: er lässt einen Seemann prügeln, obwohl er bereits tot ist. Während der Fahrt zeichnet sich Bligh vor allem dadurch aus, das er seine Mannschaft wg. geringster Anlässe prügeln lässt. Außerdem kürzt er die Essensrationen. Auf Tahiti darf Byam an Land, da er an einem Wörterbuch der tahitischen Sprache schreiben will. Fletcher Christian hingegen muss auf Befehls Blighs an Bord bleiben. Allerdings sorgt der tahitische Häuptling Hitihiti dafür, dass Christian doch an Land kommen darf. Beide -Byam und Christian- verlieben sich in Inselschönheiten. Nach einigen Wochen beginnt die Rückfahrt. Dort stirbt zunächst der beliebte Schiffsarzt „Bacchus“, da ihn Bligh trotz Krankheit antreten lässt. Dann lässt der Kapitän noch einige Männer in Ketten legen. Daraufhin schreitet Fletcher Christian ein; er ruft zur Meuterei auf. Kapitän Bligh und einige seiner Getreuen werden auf ein Beiboot gesetzt und müssen versuchen Land zu erreichen. Mit seemännischem Geschick und harter Hand gelingt es Bligh tatsächlich, eine Insel zu erreichen. Indessen haben die Meuterer wieder Tahiti erreicht, wo sie über ein Jahr sorglos leben. Dann jedoch erreicht eine britische Fregatte die Insel; Kapitän ist- Bligh, der auf Rache aus ist. Fletcher Christian kann in letzter Minute mit Getreuen fliehen. Roger Byam, der an der Meuterei nicht beteiligt war, bleibt auf der Insel. Er wird zusammen mit einigen Männern von Bligh in Ketten gelegt und in England vor Gericht gestellt. Dort werden die Männer allesamt zum Tode verurteilt. Zwar hat Bligh vor Gericht gesiegt, als Seemann ist sein Ansehen allerdings geschädigt. Durch einen Gnadengesuch seines Freundes Sir Joseph an den König wird Roger Byam begnadigt. Christian und seine Leute haben die verlassene Insel Pitcairn erreicht, wo sie von nun an leben.

Anmerkungen:

Einer der ganz großen Kinoerfolge der MGM. 1936 „Oscar“ für den besten Film. Clark Gable, Charles Laughton und Franchot Tone wurde als beste Darsteller nominiert, Regisseur Frank Lloyd für die Regie. Franchot Tone (1905-1968) gehörte damals zu den bekanntesten Stars der MGM, der meist für die zweite männliche Hauptrolle eingesetzt wurden. Im Drehjahr heiratete er Joan Crawford, die Ehe hielt allerdings nur drei Jahre. Tone starb 1968 an Lungenkrebs.
Für Charles Laughton ist in der 1936er Synchronfassung der Charakterschauspieler Erich Ponto (1884-1957) zu hören. Ponto war seit 1908 als Schauspieler tätig; ab 1930 auch oft in Nebenrollen im Film. Ponto lebte von 1914 bis 1947 in Dresden, danach in Stuttgart. In den 1930er Jahren synchronisierte Ponto oft, häufig auch bei der MGM, wo er mehrfach für Lionel Barrymore eingesetzt wurde. Einer seiner bekanntesten Filme ist „Der dritte Mann“ (1949) von Carol Reed. Sein letzter Film war „Der Stern von Afrika“ (1956/57) wo er, bereits todkrank, eine kleine Rolle übernahm.

US-Kinotrailer

Das Privatleben des Don Juan (GB 1934 – DF 1934)

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Original-Filmplakat


Das Privatleben des Don Juan
Originaltitel: The Private Life of Don Juan
Produktion: London Film Productions, GB, 1934
Regie: Alexander Korda
Deutsche Fassung: Bavaria Film AG, München-Geiselgasteig
Dialogregie: Curt Wesse
Dialogbuch: Curt Wesse
Tonsystem: Western Electric (GB) – Tobis-Klangfilm (D)
Deutscher Verleih:  ?
Deutsche Erstaufführung: 01.02.1934

Rolle- DarstellerDeutsche Stimme:

Don Juan                      – Douglas Fairbanks              Walter Holten
Antonia                        – Merle Oberon                       Hertha von Walther
Donna Dolores            – Benita Hume                        Rose Veldtkirch
Pepita                          – Gina Malo                             Midi Scheinpflug
Carmen                        – Joan Gardner                        Gertrud Färber

Inhalt:

Spanien, 17. Jahrhundert. Der alternde Schwerenöter Don Juan kann es nicht lassen, noch immer ersteigt er Balkons um junge Damen zu beglücken. Doch sein Arzt rät ihm, kürzer zu treten: „Nur noch einen Balkon am Tag, statt zehn!“. Don Juan kehrt nach Sevilla zurück; dort muss er feststellen, dass man von seiner Ankunft bereits weiß. Ein junger Bewunderer des Schwerenöters, Rodrigo, ist in die Fußstapfen des Meisters getreten und  erobert die Herzen der Damen Sevillas. Don Juan sieht das Auftreten des Bewunderers kritisch, denn schließlich gibt es „…nur einen Don Juan!“ Als Rodrigo bei einem Schäferstündchen erwischt wird, kommt es zu einem Degenduell, bei dem der junge „Don Juan“ stirbt. Nun glaubt ganz Sevilla, dass der Frauenheld tot ist. Don Juan wohnt so seiner eigenen Beerdigung bei. Bald kommt eine Biographie des Frauenhelden heraus, allerdings eine frei erfundene. Als Jahre später die angebliche Biographie als Theaterstück aufgeführt werden soll, stürmt Don Juan die Bühne und bricht das Stück ab. Als er vor dem Publikum behauptet, er wäre der wahre Don Juan, erntet er nur Hohn und Spott. Im Publikum sitzt auch Don Juans Ehefrau, Dolores. Es kommt zu einer Aussprache der beiden; der Schwerenöter kehrt zu seiner Frau zurück.

Anmerkungen:

Der letzte Film des großen Stummfilmstars Douglas Fairbanks (1883-1939) wurde kommerziell kein Erfolg. Fairbanks wurde durch Abenteuerfilme wie „Das Zeichen des Zorro“ (1920), „Die drei Musketiere“ (1921), „Robin Hood“ (1922) oder „Der Dieb von Bagdad“(1924) berühmt. Mit dem Aufkommen des Tonfilms war seine große Erfolgszeit vorbei. Für seine artistischen Abenteuerstreifen war er mittlerweile zu alt geworden. Als er 1934 in England „Das Privatleben des Don Juan“ drehte, war er mittlerweile von anderen Schauspielern in der Gunst des Publikums verdrängt worden. Fairbanks war von 1920 bis 1936 mit einem anderen US-Stummfilmstar, Mary Pickford, verheiratet. Nach einer Affäre Fairbanks mit Silvia Ashley trennte sich das Paar 1933. Danach verfiel Fairbanks immer mehr dem Alkohol. Er erlag im Dezember 1939 einem Herzinfarkt.
Rose Veldtkirch (= Rose Ludmilla Karoline Frommel, 1891-1971), die deutsche Stimme Benita Humes, war seit 1913 als Bühnendarstellerin tätig. Ab 1914 auch beim Film, drehte sie 17 Filme, davon 16 bis 1925. Ab Mitte der 1920er Jahre konzentrierte sie sich auf die Bühnenarbeit, war aber auch als Sängerin, Lautenspielerin und Schriftstellerin tätig.

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Rose Veldtkirch
(Von Alexander Binder – Photochemie-Karte Nr. 3194 (Ausschnitt), Bild-PD-alt, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=7919505)

Sechs Frauen und ein König (GB 1933 – DF 1933)

Sechs Frauen und ein König
Original-Filmplakat

Sechs Frauen und ein König
später: Das Privatleben Heinrichs VIII.
Originaltitel: The Private Life of Henry VIII.
Produktion: London Film Productions, GB, 1933
Regie: Alexander Korda
Deutsche Fassung: Bavaria Film AG, München-Geiselgasteig
Dialogregie: Wilhelm Reinking
Dialogbuch: Wolf Neumeister
Tonsystem: Western Electric (GB) – Tobis-Klangfilm (D)
Deutscher Verleih:  ?
Deutsche Erstaufführung:  17.01.1934

Rolle- DarstellerDeutsche Stimme:

Heinrich VIII.               – Charles Laughton              Alexander Golling
Thomas Culpeper         – Robert Donat                      Bruno Tillessen
Anna Boleyn                 – Merle Oberon                     Gerti Ober
Jane Seymour               – Wendy Barrie                      Maja Feist
Katharine Howard       – Binnie Barnes                     Wera Liessem
Anna von Kleve            – Elsa Lancaster                    Erika Helmke

Der Film wurde 1949 neu synchronisiert (Deutsche London Film, Berlin) mit Kurt Seifert (Laughton), Klaus Schwarzkopf (Donat) und Renate Barken (Oberon).

Inhalt:

Am Hofe Heinrichs VIII. Der König lässt seine zweite Ehefrau Anna Boleyn hinrichten. Gleichzeitig beginnen die Vorbereitungen für seine Vermählung mit Jane Seymour. Allerdings hat Heinrich bereits ein Auge auf die junge Katherine Howard geworfen. Trotzdem heiratet er Jane Seymour, die allerdings bei der Geburt des Sohnes stirbt. Darüber ist Heinrich allerdings alles andere als unglücklich, denn er ist nach wie vor an Katherine interessiert. Der Bischof Cranmer rät jedoch zu einer politischen Hochzeit mit der Deutschen Anna von Kleve. Heinrich schickt den Maler Thomas Peynell nach Deutschland, um ein Bild von Anna zu malen. Dabei verlieben sich Maler und Modell. Doch Anna wird Heinrich heiraten müssen. Anna trifft in London ein; ist jedoch nach wie vor in Peynell verliebt. Aus diesem Grund macht sie sich so unattraktiv wie möglich, was Heinrich verbittert. Statt der gemeinsamen Hochzeitsnacht verbringen die beiden die Nacht beim Kartenspiel. Anna von Kleve siegt und als Preis dafür entlässt der erleichterte König die Deutsche aus der Ehe und lässt diese annullieren. Damit ist für Heinrich der Weg frei zu Katherine Howard, doch die ist mit Thomas Culpeper verbandelt. Dennoch willigt Katherine in die Ehe ein. Als Heinrich nach einem Ringkampf erschöpft zusammenbricht und krank darniederliegt, trifft sich Katherine mit Culpeper. Doch sie wird verraten und Heinrich lässt sie hinrichten. Jahre später besucht Anna von Kleve Heinrich VIII. und vermittelt ihm Katherine Parr als neue Gemahlin. Diese wird seine sechste Ehefrau und überlebt den König.

Anmerkungen:

Dies ist ein Beispiel für eine Synchronisation der Bavaria Film aus München. Die Bavaria ging aus der Münchner Lichtspielkunst (M.L.K., „Emelka“ genannt) hervor, die am 1. Januar 1919 vom Münchner Filmveteran Peter Ostermayr gegründet wurde. Die Emelka wurde als Konkurrenz zur Berliner UFA ausgebaut, hatte eigene Kinos und ein Kopierwerk. Doch die Filmtheater gerieten durch die Umstellung auf den Tonfilm in Schwierigkeiten- die Emelka musste 1932 Konkurs anmelden. Als Nachfolger wurde die Bavaria Film AG gegründet, die aber ihrerseits seit Ende 1936 in finanzielle Schwierigkeiten geriet. Goebbels ließ daraufhin die Bavaria von der Cautio Treuhand aufkaufen und 1938 die Bavaria Filmkunst GmbH gründen, die sich damit praktisch in Staatshand befand.
Charles Laughtons deutsche Stimme war hier Alexander Golling (1905-1989). Golling begann seine Theaterlaufbahn in Rudolstadt, anschließend war er in Erfurt, Heidelberg und Leipzig tätig. 1934 kam er an die Berliner Volksbühne. Ab 1935 war er auch als Filmschauspieler tätig, oft als Schurke oder Kriminalbeamter. Er war in zwei Harry-Piel-Filmen zu sehen („Der Dschungel ruft“, „90 Minuten Aufenthalt“, beide 1936). In Eichbergs Indien-Filmen „Der Tiger von Eschnapur/ Das indische Grabmal“ (1937) spielte er den finsteren Fürsten Ramigani. 1938 übernahm er die Intendanz des Bayerischen Staatsschauspiels. Golling stand den Nationalsozialisten sehr nahe, weswegen man ihm den Namen „der braune Theaterfürst von München“ gab. Nach dem Krieg hatte er Probleme wg. seiner NS-Vergangenheit. Er wurde als belastet eingestuft und konnte erst ab 1950 wieder filmen.
Wera Liessem (1909-1991) begann ihre Theaterlaufbahn im südafrikanischen Kapstadt, wo ihr älterer Bruder Kurt ein Theater leitete. Nach kurzer Zeit kehrte sie nach Deutschland zurück und war auf Bühnen in Bamberg, Frankfurt/M., Berlin und Wien tätig. In Wien spielte sie die Hauptrolle in Ödön von Horvats „Mit dem Kopf durch die Wand“. Von Horvath wurde bald auch ihr Lebenspartner. Zwischen 1932 und 1934 konnte man Wera Liessem in 13 Spielfilmen sehen, darunter waren Langs „Das Testament des Dr. Mabuse“ (1933) und der NS-Propagandafilm „SA-Mann Brand“ (1934). Im gleichen Jahr verließ Liessem Deutschland und ging mit ihrem Lebensgefährten von Horvath nach Wien. Nach dem Anschluss an das Reich flohen die beiden über Zürich nach Paris. Nach von Horvaths Unfalltod im Juni 1938 kehrte Wera Liessem nach Deutschland zurück, wo sie wieder an diversen Bühnen tätig war.

Rückkehr ins Leben (I 1942 – DF 1943)

Rückkehr ins Leben
Italienisches Filmplakat (mit Viveca Lindfors, Otello Toso)

Rückkehr ins Leben
Originaltitel: La Donna del Peccato
Produktion: Consorzio Tirrenia, Film Bassoli, Italien, 1942
Regie: Mario Mattoli
Deutsche Fassung: Lüdtke & Dr. Rohnstein, Berlin
Dialogregie: Reinhard W. Noack
Dialogbuch: Reinhard W. Noack
Tonsystem: RCA-Photophone – Tobis-Klangfilm (D)
Deutscher Verleih:  DiFU – Deutsch-Italienische Film-Union
Deutsche Erstaufführung:  1943

Rolle- DarstellerDeutsche Stimme:

Marika Mamescu              – Viveca Lindfors            Gerda Mario Terno
Michael Rodeanu              – Gustav Diessl                 Werner Pledath
Danilo Mamescu               – Otello Toso                    Carl-Heinz Schroth
Marchese Borga                – Alberto Capozzi            – Arthur Schröder
Gertrude                            – Amelia Bissi                  Gertrud Spalke

weitere Synchronsprecher: Hans Hessling, Curt Ackermann, Wolf Trutz, Christian Gollong, Herbert Gernot

Inhalt:

Während einer Zugfahrt nach Bukarest lernt der Ingenieur Michael Rodeanu die junge Marika kennen, in die er sich verliebt. Er ahnt nicht, dass Marika mit dem Gangster Danilo liiert ist, der seine Frau prompt auf Rodeanu ansetzt. Danilo möchte an eine Erfindung Rodeanus gelangen. Doch Marika hat sich längst ebenfalls in Michael verliebt- was die junge Frau in eine fast aussichtslose Lage bringt…

Anmerkungen:

Die Regie führte in diesem Film der deutschstämmige Regisseur Harry Hasso (= Karl Hartnagel, 1904-1984), der seine Kinolaufbahn in Deutschland als Kameramann und Regisseur begann und seit den 1930er Jahren vor allem in Schweden arbeitete. Seine zweite Ehefrau war die Schauspielerin Signe Hasso (1915-2002), mit der er von 1933 bis 1941 verheiratet war. Im selben Jahr heiratete Harry Hasso die Hauptdarstellerin dieses Films, Viveca Lindfors (1920-1995). Die Ehe hielt allerdings nur zwei Jahre. Viveca Lindfors ging 1945 nach Hollywood, wo Warner Bros. sie unter Vertrag nahm. Sie drehte 1948 ihren ersten Hollywoodstreifen, „Die Liebesabenteuer des Don Juan“ (mit Errol Flynn). Es folgten Filme wie „Im Schatten des Galgens“ (1954, einer der wenigen Western mit James Cagney), „Das Schloss im Schatten“ (1955, mit Stewart Granger) und später Filme wie „Cherie Bitter“ (1973, mit Barbra Streisand, Robert Redford) oder Robert Altmans „Eine Hochzeit“ (1978).
Viveca Lindfors wurde in diesem Film von Gerda Mario Terno (1909-1995) synchronisiert. Gerda Maria Terno begann ihre Theaterlaufbahn 1929 in Osnabrück. Von 1933-1935 war sie am Stadttheater Aachen engagiert. 1935-1937 war sie an den Städtischen Bühnen in Köln. Ab 1937 arbeitete sie in Berlin, am Theater der Jugend und am Schillertheater. Ab 1938 wirkte sie auch in einigen Filmen mit, darunter mit „Der Florentiner Hut“ und „Paradies der Junggesellen“ (beide 1939) in zwei Heinz-Rühmann-Streifen. Ihren letzten Kinofilm drehte sie 1949 („Derby“). Mit ihrer Arbeit in Berlin begann auch ihre Arbeit im Synchronstudio. Bis Mitte der 1950er Jahre war sie hier zu hören, u.a. war sie die deutsche Stimme von Deborah Kerr oder Janet Leigh.
Der Österreicher Gustav Diessl (1899-1948), der seit Mitte der 1920er Jahre in Berlin arbeitete, war in Deutschland durch Filme wie „Die weiße Hölle vom Piz Palü“ (1929), „Westfront 1918“ (1930), „Die Herrin von Atlantis“ (1932), der Zweiteiler „Der Tiger von Eschnapur/ Das indische Grabmal“(1937) oder „Kautschuk“ (1938) bekannt geworden. Neben Liebhaberrollen wurde Diessl oft auch als (exotischer) Bösewicht (wie in „Kautschuk“) eingesetzt.  Ab 1940 filmte er meist in Italien. Zum Ende des Krieges war er dann auch wieder in Deutschland tätig, so als Leutnant Schill in Harlans Durchhaltefilm „Kolberg“ (1944). Gustav Diessl, seit 1938 mit der Sängerin Maria Cebotari verheiratet, starb 1948 im Alter von nur 49 Jahren.

Unsichtbare Ketten (I 1942 – DF 1943)

unsichtbare ketten
Italienisches Filmplakat

Unsichtbare Ketten
Originaltitel: Catene Invisibili
Produktion: Italcine, Italien, 1942
Regie: Mario Mattoli
Deutsche Fassung: Lüdtke & Dr. Rohnstein, Berlin
Dialogregie: Reinhard W. Noack
Dialogbuch: Reinhard W. Noack
Tonsystem: RCA-Photophone – Tobis-Klangfilm (D)
Deutscher Verleih:  DiFU – Deutsch-Italienische Film-Union
Deutsche Erstaufführung:  Februar 1943

Rolle- DarstellerDeutsche Stimme:

Elena Silvagni                     – Alida Valli                        Ruth Hellberg
Carlo Danielli                      – Carlo Ninchi                     Werner Pledath
Matilde Silvagni                  – Giuditta Rissone             – Roma Bahn
Enrico Leni                          – Andrea Checchi                Harry Giese
Enricos Mutter                    – Jone Morino                     Lilli Schönborn
Cesare Tani                          – Carlo Campanini             Kurt Vespermann
Dr. Moretti                           – Guido Verdiani               C.W. Burg
Tanis Diener                        – Arturo Bragaglia             Hans Hessling
Lenis Betrugsopfer              – Aldo Pini                         Hans Meyer-Hanno

Inhalt:

Der Firmenchef Silvagni stirbt plötzlich und hinterlässt Frau und Tochter die Firma, welche von Carlo Danielli geleitet wird. Elena findet aus der Hinterlassenschaft des Vaters heraus, dass sie einen unehelichen Bruder, Enrico Leni, hat. Leni ist ein Nichtsnutz, der im Gefängnis gelandet ist. Elena gelingt es, ihn dort herauszuholen und ihm eine Stelle in ihrer Firma zu geben- gegen den Widerstand von Danielli. Danielli hat sich inzwischen in das zwanzig Jahre jüngere Mädchen verliebt. Die Sorge um ihren Bruder stellt die Liebe auf eine Probe, doch am Ende kommen Elena und Carlo zusammen.

Anmerkungen:

Alida Valli (=Baroness Alida Maria Laura Altenburger von Marckenstein und Frauenberg, 1921-2006) kam bereits als junges Mädchen 1936 zum italienischen Film. In den 1940er Jahren stieg sie zu einem der bekanntesten Filmstars Italiens auf. 1947 bekam sie ein Angebot des Hollywood-Produzenten David O. Selznick, der sie im gleichen Jahr in Hitchcocks „Der Fall Paradin“ neben Gregory Peck und Charles Laughton besetzte. 1949 drehte sie mit Orson Welles „Der dritte Mann“. Ihre Hollywood-Karriere verlief allerdings äußerst unbefriedigend, sodass sie Anfang der 1950er Jahre nach Italien zurückkehrte. Sie drehte nun italienische und französische Filme, darunter „Sehnsicht/ Senso“ (1954), „Der Schrei/ Il grido“ (1957) oder „1900“ (1976).

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Alida Valli, Carlo Ninchi