Sechs Frauen und ein König (GB 1933 – DF 1933)

Sechs Frauen und ein König
Original-Filmplakat

Sechs Frauen und ein König
später: Das Privatleben Heinrichs VIII.
Originaltitel: The Private Life of Henry VIII.
Produktion: London Film Productions, GB, 1933
Regie: Alexander Korda
Deutsche Fassung: Bavaria Film AG, München-Geiselgasteig
Dialogregie: Wilhelm Reinking
Dialogbuch: Wolf Neumeister
Tonsystem: Western Electric (GB) – Tobis-Klangfilm (D)
Deutscher Verleih:  ?
Deutsche Erstaufführung:  17.01.1934

Rolle- DarstellerDeutsche Stimme:

Heinrich VIII.               – Charles Laughton              Alexander Golling
Thomas Culpeper         – Robert Donat                      Bruno Tillessen
Anna Boleyn                 – Merle Oberon                     Gerti Ober
Jane Seymour               – Wendy Barrie                      Maja Feist
Katharine Howard       – Binnie Barnes                     Wera Liessem
Anna von Kleve            – Elsa Lancaster                    Erika Helmke

Der Film wurde 1949 neu synchronisiert (Deutsche London Film, Berlin) mit Kurt Seifert (Laughton), Klaus Schwarzkopf (Donat) und Renate Barken (Oberon).

Inhalt:

Am Hofe Heinrichs VIII. Der König lässt seine zweite Ehefrau Anna Boleyn hinrichten. Gleichzeitig beginnen die Vorbereitungen für seine Vermählung mit Jane Seymour. Allerdings hat Heinrich bereits ein Auge auf die junge Katherine Howard geworfen. Trotzdem heiratet er Jane Seymour, die allerdings bei der Geburt des Sohnes stirbt. Darüber ist Heinrich allerdings alles andere als unglücklich, denn er ist nach wie vor an Katherine interessiert. Der Bischof Cranmer rät jedoch zu einer politischen Hochzeit mit der Deutschen Anna von Kleve. Heinrich schickt den Maler Thomas Peynell nach Deutschland, um ein Bild von Anna zu malen. Dabei verlieben sich Maler und Modell. Doch Anna wird Heinrich heiraten müssen. Anna trifft in London ein; ist jedoch nach wie vor in Peynell verliebt. Aus diesem Grund macht sie sich so unattraktiv wie möglich, was Heinrich verbittert. Statt der gemeinsamen Hochzeitsnacht verbringen die beiden die Nacht beim Kartenspiel. Anna von Kleve siegt und als Preis dafür entlässt der erleichterte König die Deutsche aus der Ehe und lässt diese annullieren. Damit ist für Heinrich der Weg frei zu Katherine Howard, doch die ist mit Thomas Culpeper verbandelt. Dennoch willigt Katherine in die Ehe ein. Als Heinrich nach einem Ringkampf erschöpft zusammenbricht und krank darniederliegt, trifft sich Katherine mit Culpeper. Doch sie wird verraten und Heinrich lässt sie hinrichten. Jahre später besucht Anna von Kleve Heinrich VIII. und vermittelt ihm Katherine Parr als neue Gemahlin. Diese wird seine sechste Ehefrau und überlebt den König.

Anmerkungen:

Dies ist ein Beispiel für eine Synchronisation der Bavaria Film aus München. Die Bavaria ging aus der Münchner Lichtspielkunst (M.L.K., „Emelka“ genannt) hervor, die am 1. Januar 1919 vom Münchner Filmveteran Peter Ostermayr gegründet wurde. Die Emelka wurde als Konkurrenz zur Berliner UFA ausgebaut, hatte eigene Kinos und ein Kopierwerk. Doch die Filmtheater gerieten durch die Umstellung auf den Tonfilm in Schwierigkeiten- die Emelka musste 1932 Konkurs anmelden. Als Nachfolger wurde die Bavaria Film AG gegründet, die aber ihrerseits seit Ende 1936 in finanzielle Schwierigkeiten geriet. Goebbels ließ daraufhin die Bavaria von der Cautio Treuhand aufkaufen und 1938 die Bavaria Filmkunst GmbH gründen, die sich damit praktisch in Staatshand befand.
Charles Laughtons deutsche Stimme war hier Alexander Golling (1905-1989). Golling begann seine Theaterlaufbahn in Rudolstadt, anschließend war er in Erfurt, Heidelberg und Leipzig tätig. 1934 kam er an die Berliner Volksbühne. Ab 1935 war er auch als Filmschauspieler tätig, oft als Schurke oder Kriminalbeamter. Er war in zwei Harry-Piel-Filmen zu sehen („Der Dschungel ruft“, „90 Minuten Aufenthalt“, beide 1936). In Eichbergs Indien-Filmen „Der Tiger von Eschnapur/ Das indische Grabmal“ (1937) spielte er den finsteren Fürsten Ramigani. 1938 übernahm er die Intendanz des Bayerischen Staatsschauspiels. Golling stand den Nationalsozialisten sehr nahe, weswegen man ihm den Namen „der braune Theaterfürst von München“ gab. Nach dem Krieg hatte er Probleme wg. seiner NS-Vergangenheit. Er wurde als belastet eingestuft und konnte erst ab 1950 wieder filmen.
Wera Liessem (1909-1991) begann ihre Theaterlaufbahn im südafrikanischen Kapstadt, wo ihr älterer Bruder Kurt ein Theater leitete. Nach kurzer Zeit kehrte sie nach Deutschland zurück und war auf Bühnen in Bamberg, Frankfurt/M., Berlin und Wien tätig. In Wien spielte sie die Hauptrolle in Ödön von Horvats „Mit dem Kopf durch die Wand“. Von Horvath wurde bald auch ihr Lebenspartner. Zwischen 1932 und 1934 konnte man Wera Liessem in 13 Spielfilmen sehen, darunter waren Langs „Das Testament des Dr. Mabuse“ (1933) und der NS-Propagandafilm „SA-Mann Brand“ (1934). Im gleichen Jahr verließ Liessem Deutschland und ging mit ihrem Lebensgefährten von Horvath nach Wien. Nach dem Anschluss an das Reich flohen die beiden über Zürich nach Paris. Nach von Horvaths Unfalltod im Juni 1938 kehrte Wera Liessem nach Deutschland zurück, wo sie wieder an diversen Bühnen tätig war.

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